Die syrische Übergangsregierung in Damaskus und die kurdische Verwaltung Nordsyriens haben überraschend am Montag eine Einigung unterzeichnet. Übergangspräsident Ahmad Al-Sharaa und SDF-Anführer Mazlum Abdi unterschrieben einen Vertrag, der die Integration des Norden Syriens in den neuen syrischen Staat vorsieht. Die SDF/YPG-Miliz wird in die syrische Armee eingegliedert, Damaskus übernimmt die Kontrolle über die wichtigen Infrastrukturen im Norden Syrien wie etwa Grenzübergänge, Flughäfen, Öl-Felder und Militärbasen.
In mehreren Städten Syriens kam es zu spontanen Feierlichkeiten. Lange dominierte in Syrien die Sorge vor einem Konflikt zwischen der neuen Regierung und dem Norden. Seit Dezember seien bei Kämpfen zwischen der Miliz SNA, die von der Türkei ausgerüstet wird und der Miliz SDF, die von den USA ausgerüstet wird, 56 Zivilisten, 471 syrisch/türkische Milizen, 104 SDF/YPG Milizen und vier türkische Soldaten getötet worden, so SOHR.
Insbesondere nach den Kämpfen zwischen Überbleibseln des Assad-Regimes und Kräften der neuen Regierung sowie den Massakern an alawitischen Zivilisten, mehrheitlich durch Regierungsmilizen (Hamza Division, HTS), wuchs die Angst in Syrien vor weiteren Eskalationen. Viele sprechen aufgrund der Einigung nun von einem Hoffnungsschimmer auf Frieden in allen Teilen.
Eine besondere Rolle bei den Verhandlungen hätten die Gefängnisse gespielt, in denen ehem. Daesh-Terroristen inhaftiert sind. Aus jordanischen Diplomatenkreisen heißt es, die Gefängnisse im Norden Syriens sollen gemeinsam von Damaskus und regionalen Partnern gesichert werden.
Die Einigung sieht vor, dass die Bürgerrechte als Syrer für Kurden zukünftig gesetzlich verankert werden. Unter dem Assad-Regime wurden syrischen Kurden beliebig Papiere entzogen. Auch ihre Sprache war lange verboten. In der neuen Verfassung soll die kurdische Identität als Teil Syriens anerkannt werden.
Kurz nach Verkündung der Abmachung flog Israels Luftwaffe Angriffe auf den Süden Syriens. In Izraa und Jabab, nahe Daraa, wurden Militärstützpunkte bombardiert. Viele in Syrien fürchten, dass es sich dabei um die Vorbereitung einer Invasion handeln könnte.





