Das Hohe Kommissariat der UN für Menschenrechte hat seine Liste der Unternehmen aktualisiert, die laut UN-Ermittlungen an wirtschaftlichen Aktivitäten beteiligt sind, die den Bau, den Ausbau oder die Aufrechterhaltung israelischer Siedlungen unterstützen. Insgesamt 214 Unternehmen wurden gelistet. 16 davon haben einen Sitz in Deutschland. Wir zeigen ihre Rolle auf.
Diese Liste basiert auf der UN-Unternehmensdatenbank zu den völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen im besetzten palästinensischen Gebiet. Aufgeführt werden Unternehmen, bei denen die UN hinreichende Gründe für die Annahme sieht, dass sie durch Geschäfte, Dienstleistungen oder die Nutzung palästinensischer Ressourcen zum Bau, Ausbau oder Erhalt der Siedlungen beitragen.
Der Internationale Gerichtshof (IGH) stellte 2024 fest, dass Israels fortdauernde Präsenz im besetzten palästinensischen Gebiet rechtswidrig ist und die israelische Siedlungspolitik gegen das Völkerrecht verstößt. Israel muss neue Siedlungsaktivitäten einstellen, andere Staaten dürfen die rechtswidrige Situation weder anerkennen noch zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen.
Nach den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sollen auch Unternehmen keine Menschenrechtsverletzungen verursachen oder zu ihnen beitragen. Die UN sieht die hier aufgeführten Unternehmen als an Aktivitäten beteiligt, die mit den völkerrechtswidrigen Siedlungen und teilweise mit Beeinträchtigungen des Selbstbestimmungsrechts des palästinensischen Volkes verbunden sind.
Diese 16 Unternehmen mit Sitz in Deutschland stehen auf der UN-Liste
1. Booking.com / Booking Holdings

Die UN führt sowohl Booking.com als auch den Mutterkonzern Booking Holdings auf, weil sie Dienstleistungen anbieten, die zur Aufrechterhaltung israelischer Siedlungen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet beitragen. Amnesty International dokumentierte konkret 45 über Booking.com angebotene Hotels und Ferienunterkünfte in israelischen Siedlungen, darunter im illegal besetzten palästinensischen Ostjerusalem. In Deutschland ist der Konzern unmittelbar präsent: Die Booking.com (Deutschland) GmbH sitzt in Berlin und betreut deutsche Vertragspartner. Deutsche Endkunden kennen Booking.com vor allem für Hotels, Ferienwohnungen, Flüge und Mietwagen.
2. Airbnb

Die UN führt Airbnb auf, weil das Unternehmen Dienstleistungen anbietet, die zur Aufrechterhaltung israelischer Siedlungen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet beitragen. Amnesty International dokumentierte mehr als 300 Airbnb-Angebote in illegalen israelischen Siedlungen, darunter in Kfar Adumim im illegal besetzten palästinensischen Westjordanland. In Deutschland unterhält Airbnb die Airbnb Germany GmbH mit Sitz in Berlin. Die Gesellschaft ist auch aktuell im Lobbyregister des Deutschen Bundestages eingetragen. Endkunden kennen Airbnb vor allem für die Vermittlung von Ferienwohnungen und privaten Unterkünften.
3. Expedia

Die UN führt Expedia Group wegen Dienstleistungen auf, die die Aufrechterhaltung israelischer Siedlungen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet unterstützen. Amnesty International dokumentierte über Expedia und Hotels.com neun Unterkunftsanbieter in illegalen israelischen Siedlungen, darunter vier größere Hotels. In Deutschland ist der Konzern unter anderem über die Expedia.com GmbH mit Sitz in München vertreten. Für Verbraucher ist Expedia als Reiseportal für Hotels, Flüge, Pauschalreisen und Mietwagen bekannt.
4. Tripadvisor

Die UN führt Tripadvisor wegen Dienstleistungen auf, die israelische Siedlungen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet unterstützen. Amnesty International dokumentierte mehr als 70 über Tripadvisor beworbene Attraktionen, Touren, Restaurants, Cafés, Hotels und Ferienunterkünfte in illegalen israelischen Siedlungen. In Deutschland besteht die TripAdvisor GmbH mit Sitz in München. Endkunden kennen Tripadvisor vor allem für Hotel- und Restaurantbewertungen, Sehenswürdigkeiten und Reiseplanung.
5. JCB

Die UN führt den Baumaschinenhersteller JCB wegen der Lieferung von Ausrüstung für den Bau und Ausbau illegaler israelischer Siedlungen und ihrer Infrastruktur sowie von Ausrüstung zum Abriss von Häusern und Eigentum und zur Zerstörung landwirtschaftlicher Flächen im besetzten palästinensischen Gebiet auf. Auch die britische staatliche OECD-Kontaktstelle untersuchte eine Beschwerde, wonach JCB-Maschinen beim Abriss palästinensischen Eigentums und beim siedlungsbezogenen Bauen eingesetzt wurden. Die Kontaktstelle nahm diese Vorwürfe zur weiteren Prüfung an. In Deutschland kennt man JCB vor allem durch seine gelben Bagger, Radlader und Teleskoplader auf Baustellen.
6. Heidelberg Materials

Die UN führt die deutsche Heidelberg Materials AG wegen der wirtschaftlichen Nutzung natürlicher Ressourcen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet auf. Konkret steht der Steinbruch Nahal Raba im illegal besetzten palästinensischen Westjordanland im Mittelpunkt, den die israelische Tochter Hanson Israel betrieb. Heidelberg Materials widersprach der Aufnahme und erklärt, Hanson habe bereits 2023 sämtliche Aktivitäten im Steinbruch sowie im zugehörigen Asphalt- und Transportbetonwerk eingestellt und der Standort sei weiterhin geschlossen. In Deutschland kennt man Heidelberg Materials, früher HeidelbergCement, vor allem für Zement, Beton, Kies und andere Baustoffe.
7. Motorola Solutions

Die UN führt Motorola Solutions und dessen israelische Tochter wegen Sicherheitsausrüstung und Dienstleistungen für israelische Siedlungen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet auf. Konkret dokumentiert ist das Überwachungssystem MotoEagle aus Radar und Kameras. Es wurde in zahlreichen illegalen Siedlungen im illegal besetzten Westjordanland eingesetzt, darunter Shilo, Tekoa, Eli und Karmei Tzur. Nach Recherchen von Who Profits wurden einzelne Radarstationen sogar auf privatem palästinensischem Land errichtet und schränkten dort die Bewegungsfreiheit von Palästinensern ein. In Deutschland kennt man Motorola Solutions vor allem als Anbieter professioneller Funk-, Leitstellen- und Sicherheitstechnik für Behörden, Rettungsdienste und Unternehmen.
8. AHAVA Dead Sea Laboratories

Die UN führt AHAVA Dead Sea Laboratories wegen der wirtschaftlichen Nutzung natürlicher Ressourcen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet auf. Konkret dokumentierte Who Profits, dass AHAVA Schlamm aus dem illegal besetzten palästinensischen Teil des Toten Meeres für seine Kosmetikprodukte abbaute und seine Fabrik sowie sein Besucherzentrum in der illegalen israelischen Siedlung Mitzpe Shalem betrieb. AHAVA erklärte später, die gesamte Produktion sei seit 2022 nach Ein Gedi innerhalb der Grünen Linie verlegt worden. In Deutschland ist AHAVA unmittelbar über die AHAVA Cosmetics GmbH mit Sitz in Wiesbaden vertreten. Endkunden kennen AHAVA vor allem als Kosmetikmarke für Hautpflege und Produkte mit Mineralien aus dem Toten Meer.
9. CAF

Die UN führt den spanischen Bahnhersteller CAF wegen der Lieferung von Ausrüstung und Material für Siedlungen und Infrastruktur, unterstützender Dienstleistungen und der Nutzung natürlicher Ressourcen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet auf. Konkret beteiligt sich CAF an der Jerusalemer Stadtbahn, die illegale israelische Siedlungen im illegal besetzten palästinensischen Ostjerusalem mit Westjerusalem verbindet. In Deutschland verfügt CAF über die CAF Deutschland GmbH mit Sitz in München und ist mit Schienenfahrzeugen und Bahnprojekten auf dem deutschen Markt aktiv. Verbraucher kennen den Namen meist nicht, können CAF-Fahrzeuge aber im öffentlichen Nahverkehr nutzen.
10. Netafim

Die UN führt Netafim wegen Dienstleistungen auf, die israelische Siedlungen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet unterstützen. Dokumentiert wurden Bewässerungstechnik und landwirtschaftliches Fachwissen für israelische Siedlungslandwirtschaft im illegal besetzten palästinensischen Westjordanland. In Deutschland besteht die NETAFIM Deutschland GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Das Unternehmen verkauft hier insbesondere Tropfbewässerungs- und Bewässerungssysteme für Landwirtschaft, Gartenbau und Gewächshäuser.
11. Altice International

Die UN führt Altice International wegen Dienstleistungen für israelische Siedlungen und der wirtschaftlichen Nutzung natürlicher Ressourcen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet auf. Konkret dokumentiert Who Profits, dass Altice über seine israelischen Tochtergesellschaften HOT und HOT Mobile Telefon-, Internet- und Mobilfunkdienste in zahlreichen illegalen israelischen Siedlungen im illegal besetzten Westjordanland und im illegal besetzten Ostjerusalem bereitstellt, darunter Ariel, Ma’ale Adumim, Kiryat Arba und Pisgat Ze’ev. In Deutschland ist Altice über seine 50-Prozent-Beteiligung am Glasfaserunternehmen OXG aktiv, das gemeinsam mit Vodafone gegründet wurde und Glasfasernetze für Millionen Haushalte ausbaut. Der Verkauf des Altice-Anteils wurde im September 2026 vereinbart. Für deutsche Endkunden ist Altice selbst kaum sichtbar, der Deutschlandbezug besteht vor allem über OXG.
12. Delta Galil Industries

Die UN führt Delta Galil Industries wegen der wirtschaftlichen Nutzung natürlicher Ressourcen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet auf. Dokumentiert wurden unter anderem Geschäfte der Tochter Delta Israel Brands in Ma’ale Adumim im illegal besetzten Westjordanland sowie in Pisgat Ze’ev und Ramot im illegal besetzten palästinensischen Ostjerusalem. In Deutschland verfügt der Konzern über die Delta Galil Germany GmbH mit Sitz in Radolfzell am Bodensee. Das Unternehmen ist hier im Textilgeschäft aktiv. Deutschen Verbrauchern begegnet Delta Galil vor allem über Bekleidung, Unterwäsche und verschiedene Marken, weniger unter dem eigentlichen Konzernnamen.
13. Fosun International

Die UN führt Fosun International wegen der wirtschaftlichen Nutzung natürlicher Ressourcen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet auf. Ein konkreter Zusammenhang besteht mit AHAVA Dead Sea Laboratories, das Fosun 2016 übernahm und das ebenfalls separat wegen der Nutzung natürlicher Ressourcen aus illegal besetzten palästinensischen Gebieten auf der UN-Liste steht. In Deutschland verfügt Fosun über die Fosun Management (Germany) GmbH in Frankfurt am Main. Der Name Fosun selbst ist Endkunden wenig bekannt. Sichtbarer sind Beteiligungen und Marken des Konzerns, darunter AHAVA Kosmetik.
14. Ashtrom Group

Die UN führt die israelische Ashtrom Group wegen der wirtschaftlichen Nutzung natürlicher Ressourcen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet auf. Der Konzern ist außerdem über weitere Ashtrom-Gesellschaften in der UN-Datenbank vertreten. In Deutschland besitzt die Gruppe über Ashtrom Properties die Ashtrom Properties Germany GmbH mit Hauptsitz in Berlin und einem weiteren Büro in Düsseldorf. Die deutsche Gesellschaft erklärt selbst, für die Immobilienaktivitäten der Gruppe in Deutschland verantwortlich zu sein. Für normale Verbraucher ist Ashtrom kaum eine bekannte Marke, in Deutschland ist der Konzern vor allem als Immobilieninvestor und Bestandshalter aktiv.
15. ADAMA

Die UN führt sowohl ADAMA Agricultural Solutions als auch die Konzernmutter ADAMA Ltd. separat auf. Genannt werden die Lieferung von Ausrüstung und Material sowie Dienstleistungen, die israelische Siedlungen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet unterstützen. In Deutschland ist der Konzern über die ADAMA Deutschland GmbH mit Sitz in Köln vertreten. In Deutschland verkauft ADAMA vor allem Pflanzenschutzmittel für die Landwirtschaft.
16. Orbia

Die UN führt Orbia Advance Corporation wegen Dienstleistungen auf, die israelische Siedlungen im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet unterstützen. Ein konkreter Zusammenhang besteht mit dem zum Orbia-Konzern gehörenden Bewässerungsspezialisten Netafim, dessen Tätigkeit in illegaler israelischer Siedlungslandwirtschaft dokumentiert wurde. Orbia ist in Deutschland über mehrere Konzerngesellschaften industriell präsent, darunter Vestolit in Marl und Netafim Deutschland in Frankfurt. Orbia selbst ist Verbrauchern kaum bekannt, seine Unternehmen produzieren beziehungsweise vertreiben unter anderem Kunststoffe, Rohrsysteme und Bewässerungstechnik.





