Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026. Die südafrikanische Juristin kämpfte gegen die Apartheid, verfolgte Völkermörder und dokumentierte Israels Genozid an den Palästinensern in Gaza.
Das norwegische Nobelkomitee ehrt die 85-Jährige für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht. Pillay habe „mit außergewöhnlichem Mut und Integrität den Weg zu einer umfassenderen globalen Rechtsordnung gewiesen“, heißt es in der Begründung. Sie habe entscheidend dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden.
Pillay wurde am 23. September 1941 in Durban geboren, als Tochter einer tamilisch-indischen Familie im rassistischen Südafrika. 1967 eröffnete sie ihre eigene Anwaltskanzlei. Sie verteidigte politische Gefangene und setzte sich für Nelson Mandela und andere Apartheidgegner ein. 1995 wurde sie die erste nichtweiße Richterin am südafrikanischen High Court.
Am UN-Tribunal für Ruanda prägte sie wegweisende Verfahren, die Vergewaltigung als Bestandteil von Völkermord anerkannten. Es folgten der Internationale Strafgerichtshof und von 2008 bis 2014 das Amt der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
Von 2021 bis 2025 leitete Pillay die unabhängige UN-Untersuchungskommission zu Palästina. Am 16. September 2025 veröffentlichte sie ihren historischen Befund: Israel begeht Völkermord in Gaza. Die Kommission dokumentierte Tötungen, Hunger, Vertreibung und die systematische Zerstörung palästinensischen Lebens. Sie stellte vier der fünf in der Völkermordkonvention definierten Handlungen und die entsprechende Vernichtungsabsicht fest.
„Wenn eindeutige Anzeichen und Beweise für einen Völkermord vorliegen, kommt Untätigkeit einer Mitschuld gleich“, warnte Pillay. Staaten seien rechtlich verpflichtet, den Genozid zu verhindern.
Heute ist sie Ad-hoc-Richterin am Internationalen Gerichtshof im Verfahren gegen Myanmar wegen des Völkermords an den Rohingya.
„Frieden erfordert Gerechtigkeit“, erklärt das Nobelkomitee.
Pillay erhält den Preis für ein Leben gegen Straflosigkeit. Ihr Einsatz gegen Israels Genozid in Gaza gehört ausdrücklich zu diesem Lebenswerk. Die Botschaft aus Oslo: Auch mächtige Staaten stehen nicht über dem Recht.





