Deutschlandweit, parteiübergreifend und in diversen Medien ist jetzt die Rede von „Antisemiten in der Linken“.
Was soll dieser „Antisemitismus in der Linken“ sein?
Es ist damit ausschließlich (!) Kritik an Israels Verbrechen gemeint. Es geht nie um tatsächliche Feindlichkeit gegenüber Judentum und Juden. Es wird kein einziges Beispiel für Antisemitismus aufgeführt, es werden nur pro-palästinensische oder israelkritische Positionierungen als Antisemitismus verkauft. Es wird gerade so getan, als würden in Berlin, wo die größte Diaspora israelkritischer Israelis Europas lebt, Massaker an Juden drohen. Das ist wahnhafte Panikmache. Aufstachelung, nach dem Motto Juden gegen Muslime, Migranten gegen Weiße. Was soll konkret dieser „Antisemitismus in der Linken“ sein? Zitate? Es werden keine aufgeführt. Was es tatsächlich gibt, ist ein israelischer Genozid an Palästinensern in Gaza und deutsche politische Unterstützung dessen. Das zu benennen, ist nicht antisemitisch.
Das einzig Antisemitische ist hier, dass Juden mit Israel und Verbrechen gleichgesetzt werden.
Der Fall Ahmed Abed
„Die Linke Neukölln“ ist ein entscheidendes Schlagwort. Es geht um Ahmed Abed, der in Neukölln haushoch gewonnen hat. Ein Deutschpalästinenser. Der wird „Antisemit“ genannt. Weil er antisemitische Positionen bezieht, Juden angreift oder bedroht und sich antijüdisch äußert? Nein. Nichts dergleichen. Weil er Deutschpalästinenser ist. Purer Rassismus und sonst nichts. Nirgends wird es einen Verweis auf irgendeinen Antisemitismus bei ihm geben. Es geht schlicht und ergreifend darum, dass er als Palästinenser gleich Antisemit sein muss. Und dann wagt er es auch noch, kritische Meinungen zu Israel zu haben. Weil er als Anwalt einen palästinensischen Schüler juristisch vertrat, wird er im Tagesspiegel „Judenhasser“ genannt. Diesen Zirkus an Empörungsdurchfall kann man sich in keiner Satiresendung ausdenken.
Der Fall Elif Eralp
Elif Eralp wird inszeniert als Gefahr. Die Elif Eralp, die sich lange nicht traute, das Wort Genozid in den Mund zu nehmen und die Nähe zu muslimischen Berlinern gemieden hat. Das ist ein Thema für sich. Aber genau diese Elif Eralp wird zu einer Karikatur Mamdanis verklärt, mitsamt trumpischer Vorwurfsarsenale. Es gibt keinen Satz von ihr, der auch nur im Ansatz antisemitisch ist. Selbst besonders israelkritisch ist sie nicht. Bloße arabische Worte wie Intifada (Aufstand), die von Rechten als „antisemitisch“ bezeichnet werden, führen bei ihr schon zu einer Distanzierung. Sie ist vorsichtiger als Sahra Wagenknecht, wenn sie Russland kritisieren soll. Aber sie ist eben auch eines: Deutschtürkin. Der Rest, nämlich die Verschwörungstheorien, wird dann einfach mitgedacht. „Islamismus“, „Antisemitismus“. Irgendjemand wird noch „Ehrenmord“ mitreinwerfen. Nur so, für die guten alten Zeiten. Man ist sich ja für keine Dummheit mehr zu schade. Und wenn wir hier eines besonders dumm und gut können, dann ja wohl Rassismus.
Das eigentliche Antisemitismusproblem
Es gibt ein Antisemitismusproblem in Deutschland. Auch in Berlin. Nicht nur eines, mehrere. Dass unser Land, von dem aus der Holocaust mitsamt Sündenbockverfolgung ausging, es immer noch schafft, Probleme auf einen Sündenbock maßzuschneidern, könnte man, wenn man wohlwollend ist, zumindest als Prinzipientreue einordnen. Mal „importierter Antisemitismus“, mal „islamistischer Antisemitismus“, mal „linker Antisemitismus“, und meistens, fast ausschließlich, ist damit Kritik an Israel gemeint. Wir erleben, sage und schreibe, 44 % für die rassistische AfD in einem Bundesland, und mühen uns an Gespenstern „in der Linken“ ab. Man muss schon schwer von Begriff sein, um darin ernsthaft eine Bemühung zu sehen, jüdischem Leben in Berlin ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Im Gegenteil, es ist Panikmache, es ist Aufstachelung, es ist Spaltung. Wer soll irgendetwas davon haben? Wen führt das zusammen? Wen klärt das auf? Das nennt man „Sorgen ernst nehmen“, so wie man damals „die Sorgen“ der Wutbürger, Pegidas und der AfD ernst genommen hat. Anstatt sich mit tatsächlichen Sachfragen auseinanderzusetzen und Probleme lösungsorientiert zu analysieren.
Am Ende geht es um Islamfeindlichkeit
Ausgerechnet die Linke soll nun die geballte Israelhasser-Gang sein. Mit all ihren Freaks und Genozidleugnern, die es immer noch in ihr gibt, weil Linke es lieben, mit anderen Linken, die sie nicht links finden, gemeinsame linke Politik machen zu wollen. Die Linke ist ein Sammelbecken aller möglichen Bevölkerungsgruppen. Queere, Atheisten, DDR-Romantiker, Juden, Leute mit Nasenpiercings, Lehrer, Muslime, Veganer. Und auch die eigenartigsten Ausnahmeerscheinungen. Nun hat Deutschland aber auch mal seine sinnlich geliebte Polarisierung. Jetzt kann die AfD endlich als nur eine Seite der Medaille gesehen werden. Jetzt darf der Begriff „Islamo-Gauchisme“ aus Frankreich und den USA importiert werden. Die Allianz der Linken und Islam. Die geballte Bedrohung. Du siehst sie nicht, aber sie lauert hinter jeder Schwulenbar und Moschee. Jetzt kann man die AfD normalisieren und die imaginäre Gefahr aufputschen. Am Ende geht’s eigentlich nur um eines: Islamfeindlichkeit. Was auch immer wir jetzt sehen, wird auf dem Rücken von Muslimen, Palästinensern, Arabern, Migranten usw. ausgetragen. An solchen Tagen wünscht man sich doch nur: Darf man nicht wenigstens mal nichtdumme Gegner haben?






