Recherchen zeigen: Jeffrey Epsteins Prostitution Minderjähriger könnte im Auftrag des israelischen Staates erfolgt sein.
Die am Samstag neu veröffentlichten Epstein-Files festigen ein erschreckendes Bild: Jeffrey Epstein war mit Eliten aus den USA sowie anderen Teilen der Welt eng vernetzt. E-Mails zeigen, dass es immer wieder um eines geht: Mädchen. Nicht „Frauen”, sondern „Mädchen”, oft „junge Mädchen”. In amtlichen Zeugenaussagen schildern Betroffene, wie sie als Minderjährige sexuell missbraucht worden seien. Unter den Beschuldigten ist nicht nur Jeffrey Epstein selbst, sondern beispielsweise auch US-Präsident Donald Trump.
Die veröffentlichten Akten und E-Mails verdeutlichen, dass es sich bei Epstein nicht einfach nur um einen perversen Sexualverbrecher handelte. Sondern um einen hochgradig politisch involvierten Strippenzieher.
Seine Dienste galten vor allem dem Staat Israel. Das zeigen mehrere Punkte.
Israels Schützling
„Epstein war Geheimdienst. Er betrieb eine klassische Sexfalle. Und der Mossad war involviert.”
Bereits 2019 sagte der ehemalige Mossad-Offizier Ari Ben-Menashe in einem Interview mit Narativ, was 2021 von Haaretz erneut veröffentlicht wurde, dass Jeffrey Epstein Teil von Mossad-Operationen gewesen sei. Epsteins Methode bezeichnete er als klassische „Honey Trap”, also Falle. Epstein hätte einflussreichen Personen sexuelle Handlungen mit Minderjährigen und Frauen ermöglicht und exklusive Sexpartys organisiert und Belege dafür erpressend gegen die Personen verwendet, um Gegenleistungen zu erhalten.
Bereits 2008 wurde Jeffrey Epstein wegen Kindesmissbrauch verurteilt. Ermittlern gelang es damals 36 minderjährige Mädchen zu identifizieren, die von Epstein sexuell missbrauch wurden. Epstein gestand, erhielt aber einen extrem lukrativen Deal. Er wurde nur für zwei Fälle verurteilt und musste lediglich 13 Monate im offenen Vollzug verbringen. Den Deal genehmigte der damalige US-Justizminister Alexander Acosta (Rep).
2020 gab eine Quelle in einem FBI-Bericht zu Protokoll, dass Acosta den Deal nur akzeptierte, weil Epsteins Anwalt Alan Dershowitz, der auch ein Anwalt von Trump ist, Acosta mitteilte, Epstein sei sowohl US-amerikanischer Agent als auch Agent eines verbündeten Geheimdienstes.
In einem FBI-Bericht von 2020 gibt ein Informant des FBI an, US-Präsident Trump sei von Israel komprimittiert, also Israel hätte ihn in der Hand. Weiter: „Israel und (Trumps Schwiegersohn) Kushner sind der wahre Kopf hinter seinen (Trumps) Organisationen und seiner Präsidentschaft.” Zu den Vorwürfen gehört die Aussage einer Frau, dass sie „vor ca. 35 Jahren” mit „13/14” von Trump sexuell missbraucht wurde. Arrangiert von Epstein, der sie ebenfalls missbrauch hätte.
Epstein, Barak, Maxwell
Zu Epsteins engsten Partnern gehörte Israels ehem. Premierminister und Militärgeheimdienstchef Ehud Barak. Zwischen 2013 und 2017 besuchte Barak 30 mal Epsteins Penthouse in New York, berichtet das Wall Street Journal. Epstein investierte Millionensummen in Baraks Tech-Unternehmen Carbyne. Epstein organisierte für Barak, als dieser 2013 Verteidigungsminister Israels war, Treffen mit Regierungen. In der Mongolei kam es beispielsweise zu großen Deals zwischen Israel und der Mongolei im Sicherheitsbereich. Vermittelt von Epstein. In einem E-Mail Austausch zwischen Epstein und Barak aus 2018 bittet Epstein Barak spaßend darum, aus der Welt zu schaffen, dass er für den Mossad arbeite. Barak antwortet mit einem Smiley: „Du oder ich?”
Robert Maxwell, der Vater von Epsteins Partnerin Ghislaine Maxwell, wurde 1991 mit einem israelischen Staatsbegräbnis im illegal besetzten Ost-Jerusalem geehrt. Die gesamte israelische Elite war anwesend. Der Investigativjournalist Seymour Hersh schrieb bereits 1991, Maxwell hätte Verbindungen zum Mossad – eine Anschuldigung, die Maxwell zu Lebzeiten von sich wies. Der Daily Telegraph, der Guardian und die Journalistin Vicky Ward recherchierten, dass Epstein und Robert Maxwell bereits in den 80ern miteinander bekannt waren und zusammengearbeitet haben sollen. Demnach hätte Maxwell Epstein mit israelischen Führungskreisen bekannt gemacht, auch mit Barak. Epstein wiederum hätte Maxwell bei seinen Geldproblemen geholfen. Robert Maxwell hätte Epstein auch seine Tochter Ghislaine vorgestellt. Robert Maxwell starb 1991, als er nachts von seiner Yacht gefallen sein soll. Im Nachgang kam raus, dass er kurz zuvor hunderte Millionen US-Dollar aus den Pensionen seiner Mitarbeiter entnahm. In einer E-Mail von Epstein von 2018 gibt Epstein den Verdacht wieder, Robert Maxwell hätte „den Mossad gefährdet”, als er 400 Millionen Dollar für sein Schweigen verlangte. Der ehem. Mossad-Agent Victor Ostrovsky soll der Journalistin Vicky Ward dazu gesagt haben, der Mossad könnte Maxwell getötet haben, da dieser durch seine Geldprobleme zu einem Risiko wurde.
In Epsteins Geschäft ging es offenbar aber auch um Informationen, erklärt Epsteins langjähriger Geschäftspartner Steven Hoffenberg in einem Interview mit Nexus. Er gilt laut Medien als Epsteins Mentor. „Er sammelte Informationen, die nützlich für Israel waren. Über Politiker und die berühmten und reichen Menschen in den USA.” Ghislaine Maxwell sei für die Videoaufnahmen der Personen zuständig gewesen. „Sie ist so schlimm wie er, wenn nicht schlimmer”, sagt Hoffenberg über Ghislaine Maxwell. „Schreckliche Verbrechen” seien aufgenommen worden. „Sie missbrauchten und vergewaltigten diese Mädchen gemeinsam.”

Ein privates Foto des ehem. Bediensteten Epsteins, Valdson Vieira Cotrin, zeigt Jeffrey Epstein in einem Privatjet mit einem Kleidungsoberteil, auf dem das Logo des israelischen Militärs abgebildet ist.
Der Fixer
Jeffrey Epstein war nicht nur ein vielgefragter Kontakt, weil er die Erfüllung von perversen Wünschen erfüllen konnte. Epstein galt als überaus fähiger und gut vernetzter Problemlöser, ein Fixer zwischen Regierungen, Geheimdiensten, Unterwelt, Unternehmen und Berühmtheiten. Die Epstein-Files zeigen, wie Epstein zwischen Israels ehem. Premierminister Ehud Barak und der Bänkerin Ariane de Rothschild Investments in israelische Cyberwaffen vermittelte. In den Epstein Files taucht ein Vertrag zwischen der Edmond de Rothschild Holding S.A und Epsteins Unternehmen auf, wonach er 25 Millionen US-Dollar erhalten hätte.
Jeffrey Epstein wusste seine Machenschaften zu verknüpfen. Er verwaltete von 1992 bis 2007 die Wexner-Stiftung. Die Stiftung hat laut Eigenerklärung die Zwecke, „Israels nächste Generation” auszubilden, „das jüdische Volk zu führen” und Israels Einfluss in den USA zu stärken. 200-400 Millionen US-Dollar soll Epstein durch die Verbindung zu Wexner erhalten haben. Die Wexner-Stiftung ist nach Leslie Wexner benannt, dem das Unternehmen Victoria’s Secret gehört. In mehreren Zeugenaussagen berichten junge Frauen, Epstein habe sich als Talentscout Victoria’s Secrets ausgegeben, um sie für seine sexuellen Dienstleistungen zu rekrutieren.
Anklage und Tod
Jeffrey Epstein wurde im Juli 2019 festgenommen, nachdem Anklage gegen ihn wegen Prostitution Minderjähriger erhoben wurde. Es konnte nachgewiesen werden, dass er aus verschiedenen Teilen der Welt junge Frauen und Minderjährige unter dem Anschein, sie als Model zu scouten, mit Privatjets entführte. Im August 2019 wurde der Tod Epsteins bekanntgegeben. Er habe Suizid begangen. Das Justizministerium veröffentlichte Videoaufnahmen, die diesen Umstand beweisen sollten. Recherchen von WIRED, CBS und anderen Medien belegen, dass das Video verfälscht wurde und dass entscheidende 2 Minuten und 53 Sekunden rausgeschnitten wurden. Die Epstein Files zeigen auch: Ein Gefängsniswärter behauptet, am Tag des Todes Epsteins wäre ein amtliches Fahrzeug in das Gefängnis gekommen und hätte sich nicht ausgewiesen. Er habe dann gesehen, wie Epstein kurz darauf in einem Rollstuhl aus seiner Zelle geführt worden sei. Er befüchtet deshalb, Epstein könnte „ausgetauscht” worden sein. Außer dieser Aussage gibt es keine seriösen Hinweise auf ein solches Geschehen. Dennoch nähren die Ungereimtheiten zahlreiche Theorien darüber, dass Epstein womöglich getötet worden oder überhaupt gar nicht gestorben sei.
Epstein Files
Die Akten zum Epstein-Fall werden vom US-Kongress, also dem Parlament, veröffentlicht. Dies geschieht aufgrund von Druck durch die Öffentlichkeit und durch die Opposition. Die Akten wurden nach wie vor nicht vollständig veröffentlicht. Vieles ist geschwärzt. Es ist beispielsweise weiterhin unbekannt, von welchen Persönlichkeiten Epstein und Maxwell Videoaufnahmen hatten und was diese Aufnahmen zeigen. Viele Informationen könnten also eventuell noch an die Öffentlichkeit gelangen. Der nötige Schutz von Zeugen und unbeteiligter Dritter erschwert zudem eine völlig transparente Veröffentlichung. Bereits jetzt entstehen durch die Epstein Files viele Missverständnisse. Da sämtliche E-Mails Epsteins und anderer Personen in seinem Umfeld veröffentlicht wurden, tauchen Namen in den Files auf, die jedoch nur am Rande irgendwo erwähnt wurden, aber keine Verbindung zu Epsteins Verbrechen haben.
Dass Jeffrey Epstein bestens vernetzt mit dem israelischen Staat war, lässt sich belegen. Doch Epstein hatte auch gute Kontakte zur russischen Elite und zum russischen Geheimdienst, in die VAE, nach Großbritannien und woanders hin. Er bot diversen Kreisen seine Dienste an. Viele Zusammenhänge müssen noch recherchiert werden.