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Schleichende Vernichtung „Die Israelis hatten einen regelrechten Folterplan”

Von Zaina Qazzaz
28.11.2025
in Investigativ, Palästina
Der Palästinenser Abdullah Saadeh Saleh wurde von Israels Militär in Gaza verschleppt. Er berichtet über die Folter und Misshandlungen in israelischer Geiselhaft.

Der Palästinenser Abdullah Saadeh Saleh wurde von Israels Militär in Gaza verschleppt. Er berichtet über die Folter und Misshandlungen in israelischer Geiselhaft.

Der Palästinenser Abdullah Saadeh Saleh wurde von Israels Militär in Gaza verschleppt. Er berichtet über die Folter und Misshandlungen in israelischer Geiselhaft.

Schleichende Vernichtung

Mehr als 9.000 Palästinenser befinden sich derzeit in israelischen Gefängnissen, die von der israelischen Menschenrechtsgruppe BTselem als Folterlager eingestuft werden. Bei der Mehrheit der Gefangenen handelt es sich um Häftlinge und Gefangene in Administrativhadft, so Abdullah Zughari, Leiter des „Palestinian Prisoners’ Club“. Offiziellen Angaben zufolge sind darunter 49 Frauen und 350 Kinder, zusätzlich zu Tausenden von Gefangenen, die ohne Vorwurf, Anklage, Gerichtsverfahren oder Verurteilung festgehalten werden. Israel nennt das Administrativhft. Amnesty International mahnt: Das verletzt die Folterkonvention. Diese Zahlen spiegeln die anhaltenden Verletzungen gegen das palästinensische Volk wider und machen deutlich, dass palästinensische Gefangene nicht einfach nur Häftlinge sind; sie sind direkte Ziele einer systematischen Politik der schleichenden Vernichtung durch Gefangennahme, die alle Gruppen betrifft – einschließlich Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Im November hat Israels Parlament einen Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der Vollstreckung der Todesstrafe an palästinensischen Gefangenen befürwortet. Dies spiegelt eine politische Eskalation unter der extremsten rechtsgerichteten Regierung Israels wider, angeführt vom Minister für Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir im Rahmen politischer Machtspiele innerhalb einer fragilen Koalition. Der Entwurf zielt darauf ab, Feldhinrichtungen, denen bereits Dutzende Gefangene zum Opfer gefallen sind, einen gesetzlichen Mantel zu geben – ungeachtet der klaren völkerrechtlichen Haltung gegen die Todesstrafe. Das Gesetz soll nur Palästinenser betreffen. Die UN warnt: Geständnisse von Palästinensern kämen oft durch Folter zustande.

Die Politik der schleichenden Hinrichtung zeigt sich in vorsätzlicher medizinischer Vernachlässigung, Aushungerung, psychischer und körperlicher Folter sowie der Vorenthaltung der grundlegendsten Menschenrechte. Seit Beginn des jüngsten Vernichtungskriegs bis November 2025 sind 81 palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen gestorben, zusätzlich zu Unzähligen, die in Gaza hingerichtet wurden und weiterhin als Opfer des gewaltsamen Verschleppens gelten. Die Rückgabe einiger Leichname mit klaren Spuren von Feldhinrichtungen verdeutlicht die anhaltenden Verstöße vor Ort.

Eine Zeugenaussage: Der Fall von Abdullah Saadeh

Abdullah Saadeh Saleh, 27 Jahre alt, stammt aus dem Jabalia-Flüchtlingslager im Norden des Gazastreifens. Er ist verheiratet und hat eine Tochter namens Noor. Vor dem Krieg arbeitete er in der Wartung von elektronischen Zentralsystemen. Er beschreibt sich selbst als „Sohn des Lagers. Aufgewachsen an einem Ort, der Geduld gelehrt hat.“

Er wurde am 22. Oktober 2024 im Kamal-Adwan-Krankenhaus von Israels Militär verschleppt, nachdem dort Zivilisten in Gruppen aufgeteilt wurden. Er erinnert sich an diesen Moment: „Sie sortierten uns – Männer, Frauen und Kinder. Alle Personen wurden auf einmal festgenommen. Meine Brüder, die Söhne meines Bruders Fawzi und ich wurden gemeinsam abgeführt.“

Abdullah verbrachte ein volles Jahr in Gefangenschaft, während sein Bruder Ahmed fast zwei Jahre gefangen war. Rückblickend auf ihre Freilassung sagt er: „Unsere Freude war unvollständig. Wir haben immer noch meinen Bruder Fawzi und seine Söhne Muhammad und Ibrahim im Gefängnis. Wir vergessen keinen einzigen Gefangenen.“

Sein Leidensweg begann im Folterlager Sde Teiman, das er „das Gefängnis, das Männer zerbricht“ nennt: „Dort gibt es keine Gnade. Sie behandelten uns, als wären wir keine Menschen. Jede Bewegung wurde überwacht, jeder Atemzug beobachtet.“ Er lebte in einer überfüllten Zelle mit 40 bis 60 Gefangenen auf einer Fläche von nicht mehr als 14–16 Quadratmetern, ohne frische Luft oder Sonnenlicht. „Wir waren wie Sardinen eingepfercht. Kein Licht, keine Luft. Ein Ort, der darauf ausgelegt ist, zuerst den Geist zu brechen und erst dann den Körper“, sagt er. Das Essen war minimal, kaum zum Überleben ausreichend: „Zum Frühstück ein wenig Milch, zum Mittagessen eine Dose Thunfisch, zum Abendessen ein kleines Stück Brot. Ich bin mit 90 Kilo ins Gefängnis gekommen und viel leichter wieder herausgekommen.“

Die Misshandlung war systematisch: „Es gab einen regelrechten Folterplan. Einen Tag für Demütigung und psychischen Druck. Einen Tag für Schläge und Durchsuchungen. Einen Tag, an dem wir stundenlang stehen mussten. Nichts geschah zufällig.“ Krankheiten wurden ignoriert – Teil der Methode, die Gefangenen zu zermürben: „Diabetiker, Menschen mit Bluthochdruck oder Hauterkrankungen bekamen keine Medikamente. Und wann immer wir fragten, sagten sie: ‚Trink Wasser und sei geduldig.‘“

Isolation und Ungewissheit über das Schicksal der Familie dienten als zusätzliche Werkzeuge psychischer Folter: „Wir lebten in fast völliger Dunkelheit. Wir wussten nicht, ob unsere Familien noch lebten oder bereits getötet worden waren. Und sie nutzten Nachrichten als Waffe. Sie erzählten uns, unsere Häuser seien bombardiert worden, unsere Angehörigen in Gefahr, und beobachteten unsere Reaktionen.“ Nach drei Monaten wurde Abdullah ins Ofer-Lager und anschließend ins Lager Naqab verlegt, das er als das härteste beschreibt: „Das Härteste … der Ort, an dem deine Menschlichkeit vollständig zerquetscht wird … wir waren nur noch Körper … sie kontrollierten alles an uns.“

Nach seiner Freilassung sah er sich einer Realität gegenüber, die härter war als das Gefängnis: „Ich rief alle Nummern an, die ich auswendig wusste. Niemand meldete sich. Ich hatte das Gefühl, alle verloren zu haben. Ich wünschte mir sogar, ich könnte ins Gefängnis zurückkehren. Weil das, was ich draußen sah, schlimmer war als das, was drinnen war.“ Heute lebt Abdullah mit seiner Familie in einem kleinen Zelt von 6 mal 6 Metern, zusammen mit zehn Personen, ohne feste Unterkunft oder Arbeit, belastet von tiefen psychischen Wunden – sowohl durch die Haft als auch durch die weitreichende Zerstörung in Gaza. Das macht die Rückkehr ins zivile Leben für ihn noch unerträglicher als das Gefängnis selbst.

Rechtliche und humanitäre Implikationen

Sollte der Gesetzentwurf zur Hinrichtung palästinensischer Gefangener verabschiedet werden, wären die Folgen katastrophal. Er würde darauf abzielen, die laufenden Verstöße in israelischen Gefängnissen zu legalisieren und zugleich als zusätzliches politisches Druckmittel für die rechtsgerichtete Regierung zu dienen. Palästinensische und internationale Menschenrechtsorganisationen verfolgen weiterhin das Ziel, Israel auf internationaler Ebene rechtlich zur Verantwortung zu ziehen – einschließlich Anzeigen beim Internationalen Strafgerichtshof, um Kriegsverbrecher zu verfolgen und die unmenschliche Behandlung von Gefangenen offenzulegen. Dennoch bleibt ernsthafte internationale Aktion gemessen am Ausmaß der Verstöße unzureichend.

Palästinensische Gefangene bleiben Gefangene nicht nur ihrer Zellen, sondern auch systematischer Politik der schleichenden Vernichtung, die darauf abzielt, ihren Willen zu brechen und ihre Standhaftigkeit zu zerstören. Die Zeugenaussage von Abdullah Saadeh veranschaulicht das tägliche Leid der Gefangenen und bestätigt, dass jeder palästinensische Häftling der Gefahr von Tod und Vernachlässigung ausgesetzt ist – sei es durch israelische Gesetze oder durch die repressiven Praktiken innerhalb der Gefangenenlager. Angesichts der Fortdauer dieser Politik sind dringender internationaler Druck und rechtliche Maßnahmen unerlässlich, um Leben zu retten und grundlegende Menschenrechte zu schützen, bevor sich die Politik der schleichenden Hinrichtung in eine unumkehrbare Tragödie verwandelt.

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  • Zaina Qazzaz

    Zaina Qazzaz wurde durch den Genozid von ihrer Familie in Gaza getrennt. Sie schaffte es bis nach Barcelona, wo sie Medien und Journalismus studiert und die Geschichte Palästinas weitererzählt.

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