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In Gaza erfrieren Kinder Ist das Wetter in Gaza gut? Nein. Die Wetterberichte sind unzutreffend.

Tarek Baé Von Tarek Baé
18.12.2025
in Faktencheck, Palästina
4 Min. Lesezeit
In Gaza erfrieren Babys. Im Internet wird das geleugnet. Unter Verweis auf vermeintliche Wetterberichte. Doch das ist falsch.

In Gaza erfrieren Babys. Im Internet wird das geleugnet. Unter Verweis auf vermeintliche Wetterberichte. Doch das ist falsch.

Auf Meldungen über Kältetote in Gaza folgt im Internet häufig die Behauptung, es wäre gutes Wetter in Gaza. Als vermeintlicher Beleg dient dafür gemeinhin der Wetterbericht, den man online erhält, wenn man nach Gaza sucht. Das ist inkorrekt.

Wer denkt, Wetterberichte zu Gaza wären korrekt, unterliegt einem gewaltigen Irrtum. Denn: In Gaza wird das Wetter nicht mehr verlässlich erfasst. Israel hat sämtliche Wetterstationen zerstört. Jeder Wetterbericht zu Gaza ist eine Übernahme der Wettereinschätzung in der Region Tel Aviv.

Gaza ist kein normaler Ort

Der entscheidende Unterschied: In Gaza gibt es keine natürlichen Schutzbarrieren mehr für Hitze, Kälte, Wind oder Regen. Bäume und Gebäude, die Winde abfangen und Kälte regulieren, fehlen. Israel hat laut UN 92 % der Wohnungen zerstört. Die Menschen leben auf der Straße. Laut UN blockiert Israel weiterhin 75 % der humanitären Hilfe, darunter 6.500 LKWs mit Zelten, Kleidung, Wohncontainern und Hygieneartikeln. In Gaza ist es aufgrund dieser Faktoren im Winter rund 10 Grad kälter und im Sommer rund 5 Grad heißer als in der umliegenden Region. Hinzu kommt: Bei Regen zieht die Kälte in den Boden. Weite Teile Gazas sind aktuell überflutet. Auch bei 15 Grad auf nassem Grund zu schlafen, wird zu Unterkühlungen führen. Kurz: Wer behauptet, in Gaza wäre das Wetter gut, leugnen das reale Leid in Gaza, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO, Ärzten vor Ort und unabhängigen Reportern dokumentiert wird.

Kälte für Babys besonders gefährlich

Für Babys ist Unterkühlung, Hypothermie genannt, besonders gefährlich. In den ersten Lebensmonaten sind Babys nicht imstande, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Sie haben nicht genügend eigene Körperwärme wie etwa erwachsene Menschen. Bereits ein kurzer Zeitraum an Unterkühlung kann lebensbedrohlich werden. In vielen Fällen kommt hinzu, dass auch Mütter durch ihre eigene Unterversorgung nicht stillen können und es wegen Israels illegaler Blockade Gazas an Babynahrung fehlt, so die WHO.

Wetter in Gaza

Auch wenn die meteorologische Lufttemperatur für Gaza aktuell im Bereich ~19 °C tagsüber und ~10–14 °C nachts liegt, heißt das nicht, dass die Kältebelastung für Menschen, die im Freien oder in nassen, undichten Notunterkünften schlafen, „mild“ ist. Nach den jüngsten Starkregenereignissen sind vielerorts Zeltplätze und Trümmerflächen überflutet bzw. wasserlogged, was bedeutet: Der Boden ist nass, Kleidung und Decken werden durchnässt, und dadurch steigt der Wärmeverlust stark an (Wasser leitet Wärme deutlich besser als Luft; zusätzlich kühlt Verdunstung).

UN- und Hilfsstellen berichten genau diese Lage („waterlogged ruins“, Überschwemmungen, durchnässte Unterkünfte) und warnen, dass Regen und Fluten die Situation akut verschärfen. Dazu kommen Sturmböen: Für den aktuellen Sturm („Storm Byron“) werden in Gaza starke Winde gemeldet; nach Angaben (unter Verweis auf das palästinensische Wetteramt) lagen die Böen bei etwa 50 km/h und gingen mit Temperaturabfall und heftigem Regen einher.

Wind ist in Grad messbar relevant über den Windchill-Effekt (nicht „kältere Luft“, aber schnellerer Wärmeverlust): Der Windchill-Index von NOAA/NWS ist offiziell für kalte Bedingungen definiert (Temperaturbereich und Windbereich sind festgelegt); als Größenordnungsbeispiel ergibt sich bei ~7 °C Lufttemperatur und ~50 km/h Wind eine gefühlte Temperatur von rund 1–2 °C (also ~5–6 °C kälter gefühlt), was erklärt, warum „zweistellige“ Lufttemperaturen bei Sturm und Nässe für ungeschützte Menschen trotzdem schnell gefährlich werden.

Internationale Stellen warnen entsprechend ausdrücklich vor Kältetoten/Hypothermie in Gaza: Der UNRWA-Generalkommissar beschreibt, dass Menschen in den „waterlogged ruins“ in der Kälte „freezing to death“ seien, und UNICEF verweist auf gemeldete Todesfälle von Neugeborenen/Säuglingen durch Hypothermie in den letzten Tagen sowie auf weiter sinkende Temperaturen. Auch Medienberichte zu den jüngsten Unwettern nennen Hypothermie als Todesursache eines Neugeborenen im Kontext von Starkregen/Überflutungen und unzureichendem Schutz.

  • Tarek Baé

    Gründer und Chefredakteur von Itidal. Berliner Patriot. Tarek Baé ist Journalist und Bestseller-Autor aus Berlin. 2021 gründete er die freie Medienplattform Itidal, arabisch für Gleichgewicht. Benannt hat er das Medium nach seiner Großmutter Itidal, von der er sagt, sie hätte mit ihrer Standhaftigkeit und gleichzeitigem Sanftmut ein lebendiges Beispiel des Gleichgewichts symbolisiert.

    Er schaffte es mit seinen Kritiken und Recherchen auf die Feindeslisten des israelischen Militärs und der Terrorgruppe Daesch (IS).

    “Ich schreibe für das große, inklusive Wir, zu dem jede und jeder gehören kann. Und ja, ich schreibe auch mindestens genauso leidenschaftlich gegen all jene, die dieses Wir angreifen.”

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Themen: GazaIsrael

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