Die Linke fährt mit über 8 % einen starken Sieg ein. Und den feiert sie. Zurecht. Aber.
Die Partei sollte sich nicht zu viel auf sich selbst einbilden und dringend die richtigen Schlüsse ziehen. Die Jugend hat entschieden. Eine Generation, die einen Genozid in Gaza und die völlige Ignoranz der Politik dem gegenüber erlebte, sowie ein Erstarken von Rassismus und krasse Einschränkungen von Freiheiten im Zuge der fanatischen Israelunterstützung in unserem Land.
Teile der Linken haben die gleiche rassistische Ignoranz gegenüber palästinensischen Menschenleben wie AfD, Merz, Scholz, Baerbock. Aber es gibt eben auch einen Teil, der nicht ignorant ist: Menschen wie Ferat Koçak, Nicole Gohlke und einige mehr. Im Gegensatz zu Figuren wie Bodo Ramelow, der gegen Palästinenser hetzte oder Heidi Reichinnek, die rein gar keine Solidarität mit Gaza äußerte. Dem solidarischen Lager sollte klar sein: Stellt es Parteieinigkeit über Menschlichkeit, wird äußerste Kritik folgen. Dem ignoranten Lager sollte klar sein: Das Antirassismus-Image wird zerlegt, wenn es weiter keine Solidarität mit Palästinensern gibt.
Die Linke lebt vom vermeintlich solidarischen Image. Aber jenseits von Reden, Codes, Plakaten und Aktivismus kann die Linke an ihren politischen Positionen gemessen werden.
Eine Linke, die nicht erkennt, dass sie von Jugend und von Menschen mit Migrationshintergrund als das kleinere Übel gewählt wurde, wird genauso wieder in der Versenkung verschwinden, aus der sie gerade wieder emporgehoben wurde.
Linke, die es nicht schaffen, den Genozid Israels in Gaza und die Apartheid Israels in den illegal besetzten Gebieten zu verurteilen; die im ewiggestrigen Anti-Amerikanismus Verbreche des serbischen Nationalismus gegen Bosnien und Herzegowina und den Kosovo nicht verurteilen und sich nicht entsprechend positionieren können; die viel über Minderheiten reden, aber kaum welche abbilden und überhaupt keine Beziehungen zu Moscheen haben sind nicht glaubwürdig und bilden auch kaum jemanden unter denjenigen ab, die der Linken gerade zum Wiedereinzug verholfen haben.
So, das wäre die Kritik als Unterbrechung der Selbstbeweihräucherung.
Der Linke-Erfolg ist ein wichtiges Zeichen in Richtung Grüne und auch SPD. Ein bisschen mehr als 8 % ist natürlich nur ein relativer Erfolg und eigentlich ein ziemlich geringes Ergebnis. Aber es war ein kurzfristiger Erfolg, den rechnerisch kaum jemand erwartet hat. Die Linke sollte sich nichts Falsches einreden: Ihr wurde medial stark unter die Arme gegriffen. Letztlich werden Grüne und SPD aber erkennen müssen, dass sie in der Frage Kampf gegen Rassismus/AfD und Einsatz für Menschenrechte (Gaza) extrem verloren haben. Ehem. Grünen- und SPD-Wähler sowie Nichtwähler haben die Linke derart emporgehoben. Die Linke als Opposition wirkt schlichtweg glaubwürdiger, wenn es um AfD, Armut, Rassismus, soziale Ungleichheit usw. geht. Eine solche, starke Opposition braucht es im Bundestag. Um dem kompletten Realitätsverlust entgegenzuwirken.






