Itidal
  • Debatte
  • Faktencheck
  • Hintergründe
  • Nachrichten
  • Kunst & Kultur
  • Geschichte
  • Investigativ
Shop
Unterstützen
Kein Ergebnis
View All Result
  • Debatte
  • Faktencheck
  • Hintergründe
  • Nachrichten
  • Kunst & Kultur
  • Geschichte
  • Investigativ
Shop
Unterstützen
Kein Ergebnis
View All Result
Itidal
Kein Ergebnis
View All Result
Home Investigativ

Von der Eiweßdose zur Spionagesoftware Eine Israel-Connection hinter MORE, ESN und RAW?

Von Tarek Baé
21.08.2026
in Investigativ, Palästina
Eine Israel- Connection hinter MORE, ESN und RAW?

In Supermärkten lassen sich ihre Produkte immer öfter finden. Proteinriegel, Eiweißpulver, zuckerfreie Nahrungsmittel und andere Produkte von MORE, ESN und RAW haben nicht nur gemeinsam, dass sie Sport- und Diätnahrung sind. Alle drei Marken gehören mehrheitlich einem Unternehmen: The Quality Group, kurz TQG. Und rund 80 Prozent dieses Unternehmens hat sich ein Großinvestor gesichert: CVC.

Das bekannteste Gesicht von MORE Nutrition ist Mitgründer Christian Wolf, und nach eigener Darstellung nutzen über eine Million Menschen die Produkte der Marke. Zusammen mit Produkten wie ESN und RAW sollen die Marken von TQG laut einem Brancheninsider fast die Hälfte des deutschen Marktes in dem Segment abdecken.

Wem MORE heute gehört, hat mit Wolf allerdings nur noch am Rande zu tun. Dahinter steht eine Eigentümerkette, an deren Ende der globale Finanzinvestor CVC sitzt, der sein Kapital auch in den israelischen Tech-Sektor gelenkt hat. Wer ihr folgt, stößt auf eine Software, die heute unentfernbar auf den Handys von Millionen Menschen in der arabischen Welt läuft, auf Militärdeals mit Israel und auf mächtige Pro-Israel-Financiers und Unterstützer des israelischen Militärs.

MORE, ESN und RAW sind Teil der The Quality Group aus Elmshorn, die 2022 laut Recherchen mehrheitlich vom Private-Equity-Haus CVC Capital Partners übernommen wurde. Wolf verkaufte den Großteil seiner Anteile und blieb Minderheitsgesellschafter. MedWatch bezifferte CVCs Anteil 2023 unter Berufung auf Unternehmensangaben auf 81 Prozent.

Derselbe Investor hält anderswo Beteiligungen, zu denen sich die The Quality Group auf Presseanfrage von Itidal nicht äußern will. Dabei beschränken sich die Verbindungen nach Israel nicht nur auf Beteiligungen. Sie reichen auch in das personelle Umfeld von CVC.

Warum geschäftliche Nähe zu Israel brisant ist? Der Internationale Gerichtshof hat in seinem Gutachten 2024 klargestellt, dass auch wirtschaftliche Verflechtungen nicht neutral sind: Staaten müssen demnach Geschäfte unterlassen, die Israels rechtswidrige Präsenz in den besetzten palästinensischen Gebieten unterstützen könnten, und Handels- und Investitionsbeziehungen verhindern, die zur Aufrechterhaltung der Besatzungspolitik beitragen. Israel begeht laut der Unabhängigen Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats einen Genozid an Palästinensern in Gaza. Der Internationale Gerichtshof wirft Israel das Verbrechen der Apartheid vor.

CVC Advisers

Das Unternehmen Philip Morris bezeichnet Shlomo Yanai als Mitglied des CVC Advisory Boards, dem er seit 2015 angehöre. Yanai ist ein ehemaliger Generalmajor des israelischen Militärs, der zweithöchste Rang. Er ist als zuständiger Kommandant für zahlreiche getötete palästinensische Zivilisten verantwortlich. 1996 beispielsweise töteten israelische Soldaten unter seiner Führung in Gaza 31 Menschen, darunter acht Kinder. Auswertungen von PCHR zeigten: Die meisten Kinder wurden per Kopfschuss in den Hinterkopf getötet.

Auf der Webseite von CVC wird zudem Trevor Chinn als Senior Adviser gelistet. Er ist einer der prominentesten Pro-Israel-Lobbyisten in Großbritannien. Dafür wurde er im November 2024 vom israelischen Präsidenten mit dem Verdienstorden ausgezeichnet. In einem Interview mit Jewish News im Sommer 2025 sagte Chinn wörtlich: „Ich habe mein Leben lang für Israel gearbeitet.“ Einen ähnlichen Satz hatte er bereits 2013 geäußert. Laut Declassified UK habe Chinn im Juni 2025 das britische Außenministerium bezüglich Waffenexporten nach Israel beraten.

ironSource

Auch in seinen Beteiligungen führt ein Strang direkt in den israelischen Technologiesektor. 2019 stiegen CVC-Fonds bei ironSource ein, einem israelischen Adtech-Unternehmen. CVC feierte den Schritt auf der eigenen Website als seinen ersten Technologie-Deal in Israel und investierte nach eigenen Angaben über 400 Millionen Dollar. Es handelt sich nicht um ein Unternehmen, mit dem die Produkte von MORE oder ESN etwas gemeinsam haben. Es ist kein Unternehmen für Nahrungsmittel. Es ist ein Unternehmen, das von Kritikern in Verbindung mit Spionagesoftware gebracht wird.

ironSource ist kein gewöhnlicher Werbetechnik-Anbieter, sondern der Entwickler von Software mit langer, umstrittener Geschichte. Sein erstes Produkt, ein Bundle namens InstallCore, wurde von Microsoft als potenziell unerwünschte Anwendung und von Malwarebytes als Adware eingestuft. Der Microsoft-Ökonom Ben Edelman dokumentierte, dass ironSource sogar einen gefälschten Windows-Installer für Snapchat baute, eine App, die es für Windows nie gab, um Nutzern Werbung unterzuschieben. ironSource USA gehörte außerdem zu den Software-Anbietern, die in US-Sammelklagen über die Erfassung von Daten Minderjähriger neben Disney, Viacom und dem Spielehersteller Kiloo Vergleiche schlossen. Aber das ist noch das harmloseste an ironSource.

Nach ironSources eigener Mitteilung wurde das Unternehmen 2022 Samsungs alleiniger Vorinstallations-Partner auf neuen A- und M-Geräten in über fünfzig Märkten des Nahen Ostens und Nordafrikas. Mehr als eine Milliarde Geräte seien betroffen. Auf diesen Budget-Handys steckt eine ironSource-Software namens AppCloud. Nach Recherchen der Beiruter Digitalrechtsorganisation SMEX ist sie tief ins Betriebssystem integriert und kann nicht einfach gelöscht werden. Sie lässt sich nur mit Root-Zugriff entfernen, was die Garantie kostet, und sammelt ohne wirksame Einwilligung sensible Daten bis hin zu biometrischen Informationen und IP-Adressen. Ein SMEX-Sprecher nannte AppCloud ein in die Hardware eingebautes Überwachungsinstrument. TRT World spricht von der Logik einer digitalen Besatzung und ordnet ironSource in ein israelisches Tech-Ökosystem ein, dessen Werkzeuge seit Langem zur Verfolgung, Profilierung und Verhaltenssteuerung ganzer Bevölkerungen genutzt würden. Das Portal Al-Estiklal titelte, es handele sich um israelische Spähsoftware in der Hosentasche. Nach Nutzerberichten und Berichten regionaler Medien löste die Enthüllung erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsbedenken aus, besonders in Ländern, in denen israelische Firmen rechtlich nicht operieren dürfen. Samsung erklärte, lokale Gesetze einzuhalten und den Datenschutz ernst zu nehmen.



„Mein Thema ist Israel“

Ebenso aufschlussreich wie die Firma sind ihre früheren Miteigentümer. Wie Times of Israel und weitere israelische Wirtschaftsmedien berichteten, gehörte zu ihnen Haim Saban. Saban ist nicht irgendein Investor, sondern einer der mächtigsten Pro-Israel-Financiers der amerikanischen Politik. Über sich selbst sagte er dem New Yorker: „Ich bin ein Ein-Themen-Mann, und mein Thema ist Israel.“ Seine dort beschriebene Einflussstrategie ruht auf drei Säulen: Wahlkämpfe zu finanzieren, Thinktanks zu unterhalten und Medien zu kontrollieren. Er gab der Demokratischen Partei in den USA 2002 mit sieben Millionen Dollar eine der größten Einzelspenden ihrer Geschichte und stiftete dreizehn Millionen für das Saban Center for Middle East Policy an der Brookings Institution, an dessen Spitze er den früheren AIPAC-Mann Martin Indyk holte. Nach Darstellung des Magazins The New Yorker versuchte er, die Los Angeles Times zu kaufen, weil er sie für propalästinensisch hielt.

Saban ist Vorstandsmitglied der Friends of the Israel Defense Forces (FIDF), jener US-Organisation, die nach eigener Darstellung als einzige offiziell vom israelischen Militär autorisiert ist, in den USA Spenden für dessen Soldaten zu sammeln. Über zwölf Jahre führte Saban ihre Beverly-Hills-Gala, spendete über zwei Jahrzehnte zweistellige Millionenbeträge und sagte einmal, sein Herz gehöre der FIDF. Damit zählt ein früherer ironSource-Investor über eine gemeinnützige US-Struktur zu den großen Geldgebern für die Soldaten des israelischen Militärs.

Mitten im Genozid in Gaza schrieb er 2024 nach Medienberichten Vertretern der Biden-Regierung gegen den angedrohten Waffenstopp für Israel, es sei eine „schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung“. Zuvor hatte das Magazin Forward ihm anti-muslimische Ressentiments vorgeworfen, nachdem er ein schärferes Profiling von Muslimen befürwortet hatte, auch wenn er später erklärte, sich falsch ausgedrückt zu haben.

Auch ein anderer Mitgründer und langjährige Chef von ironSource, Tomer Bar-Zeev, hat eine spannende Vergangenheit. Er war laut den eigenen Börsenunterlagen des Unternehmens vor der Gründung Vice President beim Zahlungsdienstleister Payoneer. Und Payoneer taucht in einer der bekanntesten Mossad-Operationen der letzten zwei Jahrzehnte auf. Bei der Tötung des Hamas-Funktionärs Mahmoud al-Mabhouh 2010 in Dubai nutzten Verdächtige Prepaidkarten um mit falschen Identitäten Zahlungen zu tätigen. Die Prepaidkarten, die die US-Bank MetaBank ausgab wurden laut Reuters und Wall Street Journal zum Teil von Payoneer herausgegeben. Die Polizei Dubai konnte die Prepaidkarten zu den Tatverdächtigen zurückverfolgen. Payoneer bestreitet eine Beteiligung an der Operation.

Ontic

ironSource ist nicht die einzige CVC-Beteiligung mit Verbindungen in den israelischen Militär- und Rüstungssektor. CVC übernahm 2019 den Luftfahrt- und Rüstungszulieferer Ontic und blieb auch nach einer neuen Investitionsrunde 2024 dessen Mehrheitseigentümer.

Ontic gehört laut der offiziellen Webseite des staatlichen israelischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Israel Aerospace Industries, IAI zu dessen Partnern und Lieferanten. Dort wird ONTIC ENGINEERING & MFG, Inc. mit Sitz in Kalifornien aufgeführt.

Nach Beginn des Genozids in Gaza hat Ontic laut US-Bundesvertragsdaten einen Militärauftrag für Israel erhalten. Unter der Akte N0042124F0151 ist Ontic Engineering & Manufacturing UK Limited als Zulieferer gelistet und soll Flugzeugsensoren geliefert haben.

Bereits 2022 verkündete Ontic einen Deal mit M7 Aerospace LLC, einer Tochtergesellschaft des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems Ltd.

Mit irounSource und Ontic laufen über CVC mindestens zwei Investments, die

Welche Kritik stimmt?

Unterstützt man also mit einem Kauf von Produkten der Marken MORE, ESN oder RAW automatisch auch das israelische Militär? Nein, so simpel ist es nicht. Der große Investor dahinter, CVC, gehört zu den breitesten Investmentstrukturen der Welt. CVC soll laut Traxcn in 253 Unternehmen investiert sein und 166 Unternehmen übernommen haben. Dass darunter auch Unternehmen sind, die kritische Verbindungen haben, ist nicht überraschend. The Quality Group, das Mutterunternehmen von MORE, ESN und RAW, trägt keine Verantwortung für die Handlungen anderer Unternehmen. Doch dass ihr Investor CVC auch in Unternehmen investiert, die mit Israels Militär, israelischer Spionagetechnik oder dem israelischen Staat in Verbindung stehen könnten, ist einen Kommentar wert. Auf Itidals Anfrage hin wollte sich die TQG nicht äußern.

The Quality Group und seine Marken sind Lebensmittelhersteller. Die UN wirft Israel vor, eine Lebensmittelkrise in Gaza im Rahmen eines Genozids verursacht und Aushungern als Waffe genutzt zu haben. Ein Lebensmittelhersteller, der sich nicht dazu äußern möchte, dass der eigene Investor auch in Unternehmen investiert, die womöglich damit in Verbindung gebracht werden können? Die Kritik ist nachvollziehbar.

Diese Verflechtung sieht man einer Eiweißdose nicht an. Ein Alltagsprodukt aus dem deutschen Supermarktregal hängt über anonymes Fondskapital an einem Investor, der zugleich auf eine israelische Tech-Firma gesetzt hat, deren Software auf den Handys von Millionen Menschen in der arabischen Welt landet, der einen Luftfahrt- und Rüstungszulieferer besitzt, der Geschäfte mit israelischen Rüstungsunternehmen und dem israelischen Militär macht, und dessen Umfeld Personen wie Haim Saban, Shlomo Yanai und Trevor Chinn umfasst. Wer beim Einkauf zu den bunten Produkten greift, trifft keine politische Entscheidung. Aber ein großer Teil des Geldes dahinter wird verwaltet von Strukturen, die offenbar auch Geld mit Israels Sicherheitsinteressen – kurz: Krieg, Besatzung und Spionage – machen. Die Beteiligungen und Personalien CVCs und die Kritiken an ironSource und Ontic bzw. ihre Deals waren bereits öffentlich, als MORE, ESN oder RAW unter Mehrheit von CVC fielen. Die Unternehmen entscheiden für sich allein: Sehen sie irgendetwas davon kritisch oder nicht?

  • Tarek Baé

    Gründer und Chefredakteur von Itidal. Berliner Patriot. Tarek Baé ist Journalist und Bestseller-Autor aus Berlin. 2021 gründete er die freie Medienplattform Itidal, arabisch für Gleichgewicht. Benannt hat er das Medium nach seiner Großmutter Itidal, von der er sagt, sie hätte mit ihrer Standhaftigkeit und gleichzeitigem Sanftmut ein lebendiges Beispiel des Gleichgewichts symbolisiert.

    Er schaffte es mit seinen Kritiken und Recherchen auf die Feindeslisten des israelischen Militärs und der Terrorgruppe Daesch (IS).

    “Ich schreibe für das große, inklusive Wir, zu dem jede und jeder gehören kann. Und ja, ich schreibe auch mindestens genauso leidenschaftlich gegen all jene, die dieses Wir angreifen.”

    Alle Beiträge
Tags: CVCCVC Capital PartnersESNIDFIsraelMORERaw
Vorheriger Beitrag

„Wir foltern sie zwei Tage“: Israel verschleppt Syrer in israelische Folterlager

Ähnliche Inhalte

Eine ehemalige israelische Soldatin erzählt, wie Israels Staat und Armee Zivilisten als Terroristen darstellen, um ihre Ermordung zu erleichtern. „Aber das ist eine Lüge”, sagt Yael gegenüber der israelischen Zeitung Haaretz. Itidal berichtet über die Geständnisse. (Bild: Haaretz)
Hintergründe

Israelische Soldatin: Ich habe ein unschuldiges Kind getötet

15.08.2026
Exklusiv: Israels Flagge vor Regierungsgebäuden in Berlin sollte auch dann bleiben, wenn ein Genozid in Gaza stattfindet
Investigativ

Israel-Flagge in Berlin: Sie weht, egal was passiert

13.08.2026
Gaza: Warum ich mitten im Genozid Arzt werde
Palästina

Gaza: Warum ich mitten im Genozid Arzt werde

10.08.2026
itidal_Logo_White

Itidal ist dein freies Medium.

Instagram Youtube Linkedin Patreon

Navigation

  • Über Itidal
  • Über Tarek Baé
  • FAQ
  • Unterstützen / Spenden
  • Zusammenarbeit / Partnerschaft
  • Werbung / Sponsoring
  • Shop / Verlag
  • Kontakt

Kategorien

Menü
  • Debatte
  • Faktencheck
  • Hintergründe
  • Nachrichten
  • Kunst & Kultur
  • Geschichte
  • Investigativ

Unterstützen

Ihr könnt uns bei der Arbeit unterstützen, Artikel einreichen, Abonnenten sein, Werbung schalten oder Kooperationspartner werden.

Diese Arbeit ist nur durch eure Unterstützung möglich.

JETZT UNTERSTÜTZEN

Copyright © 2023-2026 itidal – Alle Rechte vorbehalten itidal. | OI

  • Datenschutz
  • Impressum
Kein Ergebnis
View All Result
  • Startseite
  • —
  • Debatte
  • Faktencheck
  • Hintergründe
  • Nachrichten
  • Kunst & Kultur
  • Geschichte
  • Investigativ
  • —
  • Unterstützen
  • Über uns
  • FAQ
  • Kontakt
  • Itidal Shop

Copyright © 2025 itidal – Alle Rechte vorbehalten itidal. | OI