Itidal
  • Debatte
  • Faktencheck
  • Hintergründe
  • Nachrichten
  • Kunst & Kultur
  • Geschichte
  • Investigativ
Shop
Unterstützen
Kein Ergebnis
View All Result
  • Debatte
  • Faktencheck
  • Hintergründe
  • Nachrichten
  • Kunst & Kultur
  • Geschichte
  • Investigativ
Shop
Unterstützen
Kein Ergebnis
View All Result
Itidal
Kein Ergebnis
View All Result
Home Hintergründe

51 Menschen weiter in Gefangenschaft „Wir foltern sie zwei Tage“: Israel verschleppt Syrer in israelische Folterlager

Von Tarek Baé
16.08.2026
in Hintergründe
DAMASKUS, SYRIEN – 17. JANUAR: Am 17. Januar 2025 versammeln sich Menschen in Damaskus, Syrien, um gegen israelische Angriffe auf die Regionen Quneitra und Daraa in Syrien zu protestieren. (Foto: Hasan Belal/Anadolu via Getty Images)

DAMASKUS, SYRIEN – 17. JANUAR: Am 17. Januar 2025 versammeln sich Menschen in Damaskus, Syrien, um gegen israelische Angriffe auf die Regionen Quneitra und Daraa in Syrien zu protestieren. (Foto: Hasan Belal/Anadolu via Getty Images)

Israels Armee verschleppt neben Palästinensern auch Menschen aus Syrien in israelische Folterlager, darunter auch Kinder. Ihre Familien protestieren seit Monaten. Erstmals berichten Überlebende.

„Sie reden zu viel. Wir foltern sie zwei Tage, dann lassen wir sie frei.“ Das sagten israelische Soldaten einem Großvater in syrischen Ofania im Norden von Quneitra, als sie am 17. September 2025 seine beiden Enkel entführten. Mohammed und Mahmoud, beide noch keine 18. Er hatte gefragt, was die Jungen verbrochen hätten. Seit jenem Morgen ist ihr Schicksal unbekannt. Dieselbe Familie hatte schon einmal alles verloren. Am 23. Juli 2012 stürmten Assads Truppen dasselbe Haus, der Vater, fünf seiner Brüder und zwei Schwiegersöhne verschwanden im Loch des Folterlagers Saydnaya und starben dort. Erst das Assad-Regime, dann das israelische Regime. Seit 1967 besetzt Israel illegal die syrischen Golanhöhen. Seit dem Sturz Assads hat Israel zudem weitere Teile Südsyriens illegal besetzt. Es sind syrische Familien, die zum zweiten Mal durch dieselbe Hölle gehen, und kaum jemand redet über sie.

Israelische Militäreinheiten überfallen täglich syrische Ortschaften. Über 2.211 Verstöße wurden bis Mitte August 2026 seit dem Sturz Assads gezählt.

Das, was Israel mit Menschen aus Gaza, dem Westjordanland oder dem Libanon tut, führt Israel auch in Syrien fort. Dort verschleppt Israel seit dem Sturz Assads auch syrische Zivilisten. Sie werden bei Überfällen, an Kontrollpunkten und aus ihren Häusern entführt, über die Grenze gebracht und in denselben Lagern gefangengehalten, in denen Palästinenser gefoltert werden. „Das Schlimmste ist, fern von deiner Familie zu sein, ohne dein Schicksal zu kennen.“ So beschreibt Abu Kinan al-Sayyed dem Sender Syria TV die 65 Tage, in denen ihn israelische Truppen festhielten. Am 15. November 2025 holten sie ihn nahe Chan Arnabeh aus seinem Leben, zusammen mit Bruder, Neffe und Sohn. Im Lager Sde Teiman, sagt er, traf er auf rund 45 weitere Syrer. Eine Anklage gab es nie. Grundlage seiner Entführung seien „böswillige Meldungen“ von israelischen Kollaborateuren gewesen. Wer sich israelkritisch äußert riskiert eine Entführung.

Die Verschleppten sind einfache Leute. Ein 23-Jähriger aus Dschabata al-Chaschab hütete gerade seine Schafe, als sie ihn mit verbundenen Augen abführten und stundenlang über die frühere Präsenz der Hisbollah in Quneitra verhörten. Ein 26-Jähriger aus Ghadir al-Bustan war mit dem Motorrad unterwegs, als sie ihn entführten und zu iranischem Einfluss und syrischen Hisbollah-Kämpfern befragten. Bevor sie ihn freiließen, notierten sie seine Telefonnummer und seine Adresse. Ein 17-Jähriger aus al-Rafid sammelte Feuerholz, wurde nie verhört, aber seines Telefons beraubt und gewarnt, sich keinesfalls israelischen Militärposten zu nähern. Bei den Verhören, berichten mehrere Freigelassene übereinstimmend, legten die Israelis Landkarten vor und verlangten, Häuser und Familien zu identifizieren. Ein primäres Interesse Israels hinter den Entführungen ist wohl, durch Verhöhre mehr über die Region zu erfahren, die die Besatzer noch nicht kennen.

Die Lage in den israelischen Folterlagern ist bekannt. „Sie sagten mir, ich sei kein Mann mehr“, schildert ein Palästinenser, dem Soldaten die Genitalien fesselten und der geschlagen wurde. Sde Teiman ist kein Gefängnis, es ist ein Foltercamp. Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem nennt das gesamte Gefängnisnetz Israels ein „Netz aus Foltercamps“ und dokumentiert systematische körperliche und sexualisierte Gewalt, gezieltes Aushungern und verweigerte medizinische Versorgung. 84 Gefangene starben zwischen Oktober 2023 und Januar 2026, nur vier Leichname gab Israel zurück. In genau dieses Lager verschleppt es auch Syrer. Auch sie werden dort gefoltert. Ein syrischer Mann, den Israel sieben Monate lang gefangenhielt, nannte seine Zeit „einen einzigen Albtraum“. Rund vier Monate davon in Sde Teiman, ohne Anklage und ohne Richter. Mit schweren Schlägen, erzwungenen Stresspositionen, Isolation und Schlafentzug. Danach verschleppte man ihn ins Folterlager Ofer im illegal besetzten Westjordanland.

Unter den Verschleppten sind Kinder. Marwan al-Kiryan war 17, als israelische Truppen ihn am 7. Juli 2025 bei einem Überfall auf Dörfer im Umland von Quneitra entführten, zusammen mit fünf weiteren Syrern, darunter sein Onkel und zwei Cousins. Er kam nach über einem Jahr frei, die anderen bleiben verschwunden. Shadi Zeina, ebenfalls 17, aus Kanaker bei Damaskus, verschwand am 29. Juli 2025. Seine Mutter Samar Dreiby suchte zwei Monate lang, bis freigelassene palästinensische Gefangene ihr sagten, wo ihr Sohn gefangengehalten wird. Im Folterlager Ofer, ohne Anklage, ohne Anwalt.

Was Israel den Menschen antut, ist völkerrechtlich ein Verbrechen. Selbst wenn man Folter und Gewalt ausklammert. „Zwangsweise Einzel- oder Massenverschleppungen sowie Deportationen geschützter Personen aus besetztem Gebiet in das Gebiet der Besatzungsmacht oder eines anderen Staates sind verboten, ungeachtet ihres Beweggrundes.“ So steht es in Artikel 49 der Vierten Genfer Konvention. Wer Menschen aus besetztem Gebiet in sein eigenes Staatsgebiet verschleppt, begeht eine schwere Verletzung der Konvention, und schwere Verletzungen sind Kriegsverbrechen.

Wenn ein Staat Menschen entführt und dann verschweigt, wo sie sind, spricht das Völkerrecht vom Verschwindenlassen. Die UN-Konvention gegen das Verschwindenlassen definiert es als „Festnahme, Haft, Entführung oder jede andere Form des Freiheitsentzugs durch staatliche Akteure, gefolgt von der Weigerung, den Freiheitsentzug anzuerkennen, oder der Verschleierung des Schicksals der verschwundenen Person, wodurch sie dem Schutz des Gesetzes entzogen wird.“ Genau das geschieht mit Palästinensern, Libanesen und Syrern, die Israel ohne Angabe von Gründen verschleppt und gefangenhält.

Wie viele Syrer betroffen sind, lässt sich nur annähernd vermuten. Die Menschenrechtsgruppe Sijil dokumentierte zwischen dem Sturz Assads und dem 1. Juni 2026 mindestens 214 Entführungen durch die israelische Besatzung, 168 Freilassungen, und 51 Menschen, die weiter gefangengehalten werden, dazu 34 entführte Minderjährige allein zwischen September 2025 und April 2026. Das Syrian Network for Human Rights zählte für das erste Halbjahr 2026 ganze 61 Verschleppungen durch israelische Kräfte, darunter zwölf Kinder. Verteilt sind die Syrer auf die Folterlager Megiddo, Ofer, Rakefet und Sde Teiman.

Vor UN-Einrichtungen in Quneitra und Damaskus stehen inzwischen die Angehörigen von 47 Verschleppten, unter ihnen Studenten, Lehrer und Bauern. Sie halten Fotos hoch und verlangen zu erfahren, wo ihre Söhne gefangengehalten werden. Israels Militär überfällt weiterhin regelmäßig Dörfer im besetzten Gebiet und darüber hinaus. Offenbar im Versuch, einen Krieg gegen Syrien zu provozieren. Die syrische Regierung hat sich bei der UN über Israels Verbrechen beschwert. Vergeblich. Die Bundesregierung kommentiert die Verbrechen des Partnerlandes Israel nicht. Seit Februar unterhält die Bundeswehr eine offizielle Kooperation mit eben jener israelischen Armee, die Zivilisten verschleppt.

  • Tarek Baé

    Gründer und Chefredakteur von Itidal. Berliner Patriot. Tarek Baé ist Journalist und Bestseller-Autor aus Berlin. 2021 gründete er die freie Medienplattform Itidal, arabisch für Gleichgewicht. Benannt hat er das Medium nach seiner Großmutter Itidal, von der er sagt, sie hätte mit ihrer Standhaftigkeit und gleichzeitigem Sanftmut ein lebendiges Beispiel des Gleichgewichts symbolisiert.

    Er schaffte es mit seinen Kritiken und Recherchen auf die Feindeslisten des israelischen Militärs und der Terrorgruppe Daesch (IS).

    “Ich schreibe für das große, inklusive Wir, zu dem jede und jeder gehören kann. Und ja, ich schreibe auch mindestens genauso leidenschaftlich gegen all jene, die dieses Wir angreifen.”

    Alle Beiträge
Tags: BesatzungFolterFolterlagerSyrien
Vorheriger Beitrag

Israelische Soldatin: Ich habe ein unschuldiges Kind getötet

Ähnliche Inhalte

Eine ehemalige israelische Soldatin erzählt, wie Israels Staat und Armee Zivilisten als Terroristen darstellen, um ihre Ermordung zu erleichtern. „Aber das ist eine Lüge”, sagt Yael gegenüber der israelischen Zeitung Haaretz. Itidal berichtet über die Geständnisse. (Bild: Haaretz)
Hintergründe

Israelische Soldatin: Ich habe ein unschuldiges Kind getötet

15.08.2026
Der Pakt von Mekka: Saudi Arabien, Türkei und Pakistan unterzeichnen Militärbündnis
Hintergründe

Der Pakt von Mekka: Saudi Arabien, Türkei und Pakistan unterzeichnen Militärbündnis

09.08.2026
126 muslimische Gelehrte richten sich mit einem offenen Brief gegen ISIS
Hintergründe

Offener Brief muslimischer Gelehrte an ISIS und Al-Baghdadi

03.08.2026
itidal_Logo_White

Itidal ist dein freies Medium.

Instagram Youtube Linkedin Patreon

Navigation

  • Über Itidal
  • Über Tarek Baé
  • FAQ
  • Unterstützen / Spenden
  • Zusammenarbeit / Partnerschaft
  • Werbung / Sponsoring
  • Shop / Verlag
  • Kontakt

Kategorien

Menü
  • Debatte
  • Faktencheck
  • Hintergründe
  • Nachrichten
  • Kunst & Kultur
  • Geschichte
  • Investigativ

Unterstützen

Ihr könnt uns bei der Arbeit unterstützen, Artikel einreichen, Abonnenten sein, Werbung schalten oder Kooperationspartner werden.

Diese Arbeit ist nur durch eure Unterstützung möglich.

JETZT UNTERSTÜTZEN

Copyright © 2023-2026 itidal – Alle Rechte vorbehalten itidal. | OI

  • Datenschutz
  • Impressum
Kein Ergebnis
View All Result
  • Startseite
  • —
  • Debatte
  • Faktencheck
  • Hintergründe
  • Nachrichten
  • Kunst & Kultur
  • Geschichte
  • Investigativ
  • —
  • Unterstützen
  • Über uns
  • FAQ
  • Kontakt
  • Itidal Shop

Copyright © 2025 itidal – Alle Rechte vorbehalten itidal. | OI