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Home Debatte

Wurde der Mond gesichtet? Wann beginnt Ramadan 2026?

Von Tarek Baé
17.02.2026
in Debatte
Wann beginnt Ramadan 2026? Wurde der Mond wirklich gesichtet? Was gilt in Deutschland? Itidal klärt auf.

Wann beginnt Ramadan 2026? Wurde der Mond wirklich gesichtet? Was gilt in Deutschland? Itidal klärt auf.

Die schönste Zeit im Jahr und die bekannte Frage: Wann beginnt Ramadan? Mittwoch oder Donnerstag. Wir versuchen die Frage für alle korrekt zu beantworten.



Der oberste religiöse Rat Saudi-Arabiens, also der Staat Saudi-Arabien 🇸🇦, hat die Sichtung des Neumonds am Dienstagabend verkündet und somit den ersten Fastentag Ramadans auf Mittwoch festgelegt. Bislang, 19:30 Uhr deutsche Ortszeit, haben neben Saudi-Arabien nur die Länder Katar 🇶🇦 und Vereinigte Arabische Emirate 🇦🇪 eine Sichtung verkündet.

Kuweit 🇰🇼, Bahrain 🇧🇭, Irak 🇮🇶, Jemen 🇾🇪, Libanon 🇱🇧 und Palästina 🇵🇸 schlossen sich diesen Sichtungsmeldungen an und legten den ersten Ramadantag auf Mittwoch fest.

Aber diesen Sichtungen wird gleichzeitig auch deutlich widersprochen.

Mondsichtung überhaupt möglich?

Es gibt zahlreiche Fach-Webseiten die den Mondzyklus und Sichtungen tracken. So etwa eine der Universität Utrecht; oder die deutsche Seite Mondsichtung.de. Sie betonen, wie etwa auch alle Wetter-Webseiten: Am Dienstagabend sei eine Sichtung des Mondes unmöglich. Der Grad, in dem der Mond zur Sonne stünde, führe zu einer Sichtungsmöglichkeit von 0 %. Die Sichtung sei nicht möglich, weil “die Konjunktion erst am Nachmittag stattfand und der Mond am Abend nahezu gleichzeitig mit der Sonne untergeht, wodurch keine sichtbare Sichel existiert”. Oman 🇴🇲, Malaysia 🇲🇾, Singapur 🇸🇬, Brunei 🇧🇳, Indonesien 🇮🇩, Türkei 🇹🇷, Australien 🇦🇺, Ägypten 🇪🇬 legten den Beginn ersten Fastentags auf Donnerstag fest. In Europa wurde keine Sichtung gemeldet.

Das sagt auch der Europäische Fatwa-Ausschuss. Der Fatwa-Schuss schreibt: Der Mond könne am Dienstagabend “nicht mit bloßem Auge, Teleskop oder Sichtungsgeräten gesehen werden”.

Und Deutschland?

Länder wie die Türkei oder Ägypten bestimmen den muslimischen Kalender ausschließlich nach astronomischer Berechnung.

Dieser Position hat sich die Mehrheit der deutschen Moscheen 🇩🇪 bereits 2008 angeschlossen. Der Koordinationsrat der Muslime (KRM), in dem rund 80 % der Moscheen Deutschlands organisiert sind, einigte sich darauf, die Berechnungsmethode zu befolgen. Auch in Frankreich 🇫🇷 oder anderen europäischen Ländern wurde diese Position bezogen.

Nach Berechnung ist der erste Fastentag Donnerstag, der 19. Februar. Und der Koordinationsrat der Muslime (KRM) legte dieses Jahr den ersten Ramadantag für Deutschland auf Donnerstag fest.
Bislang lag die Berechnung nie daneben. Aber sie gilt als am wenigsten anerkannte Methode.

Sichtung, was heißt das?

In der hanafitischen, schafiitischen und malikitischen Rechtsschule gilt die Sichtung historisch als bindend. Die hanafitische Grundtendenz ist eher überregional: Wenn eine Sichtung in einem Ort zuverlässig festgestellt und korrekt übermittelt wurde, kann sie auch für weit entfernte Orte verbindlich sein (Ibn Abidin). Die schafiitische Hauptlinie ist stärker regional: Unterschiedliche Horizonte werden berücksichtigt, sodass eine Sichtung in einem weit entfernten Land nicht automatisch bindend ist, sondern jede Region sich nach ihrer eigenen Sichtung richtet (Imam an Nawawi). Die malikitische Tradition nimmt an, dass der Unterschied der Horizonte nicht maßgeblich ist, sodass eine bestätigte Sichtung auch andere Regionen binden kann (as Sawi), während andere malikitische Meinungen eine nähere Regionalität erwarten. Zusätzlich ist in der klassischen Praxis der verbindliche Beginn typischerweise an eine zuständige richterliche oder staatlich anerkannte Entscheidung gekoppelt, damit widersprüchliche Einzelmeldungen nicht zu Chaos führen. Denn je nach Rechtsschule unterscheiden sich auch die Bedingungen, unter denen eine Sichtung als verlässlich gilt, z.B. wie viele Personen gesichtet haben und wie vertrauenswürdig sie sind. Auch wichtig: Es müsste das ganze Jahr über gesichtet werden, nicht nur an Ramadan oder zu Feiertagen.


Beides geht

“Wenn ein Richter eine Entscheidung trifft, nachdem er sein Bestes getan hat, um richtig zu entscheiden, und diese Entscheidung richtig ist, gibt es zwei Belohnungen für ihn; und wenn er ein Urteil gefällt hat, nachdem er sein Bestes gegeben hat (um zu einer richtigen Entscheidung zu gelangen), aber einen Fehler gemacht hat, gibt es eine Belohnung für ihn.” – Prophet Muhammad ﷺ (Sahih Muslim)

Ok, was heißt das nun? Die meisten Moscheen in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Mittwochabend das erste Tarawih-Gebet verrichten und Donnerstag den ersten Ramadantag vollziehen.

Ja, das heißt, viele werden andere erste Ramadantage haben. Keine Panik: Das ist nicht schlimm. Das gab es in der Geschichte der Muslime oft. Die Verantwortung liegt bei denjenigen, die den Beginn festlegen. Dafür wurden sie ausgebildet, dazu wurden sie ernannt. Alle anderen, also wir, können uns auf die Handlungen Ramadans konzentrieren und Entscheidungen Entscheidungsträgern überlassen. Wir sind keine Richter. Meinungsverschiedenheiten sind erlaubt; sowie zu verschiedenen, gut belegten Ergebnissen zu kommen. Kein Grund für Streit.

Es ist immer sinnvoll, sich nach der eigenen Moscheegemeinde zu richten. Solange man versucht, mit den Muslimen einig zu sein, mit denen man am häufigsten gemeinsam betet; mit denen man Tote verabschiedet, Feiertage begeht, Ehen feiert und das Fasten beendet, kann man beruhigt sein.

Zusammengefasst:

Es kann in beiden Fällen nicht von einer weltweit klaren Mehrheit die Rede sein. Und beide Meinungen haben Belege.

Die oberste Instanz der deutschen Moscheen (KRM) hat den ersten Ramadantag auf Donnerstag festgelegt. Die Mehrheit der Muslime Deutschlands und Europas wird vermutlich Donnerstag den ersten Ramadantag vollziehen. Am besten nach der eigenen/nächsten Moscheegemeinde richten.


  • Tarek Baé

    Gründer und Chefredakteur von Itidal. Berliner Patriot. Tarek Baé ist Journalist und Bestseller-Autor aus Berlin. 2021 gründete er die freie Medienplattform Itidal, arabisch für Gleichgewicht. Benannt hat er das Medium nach seiner Großmutter Itidal, von der er sagt, sie hätte mit ihrer Standhaftigkeit und gleichzeitigem Sanftmut ein lebendiges Beispiel des Gleichgewichts symbolisiert.

    Er schaffte es mit seinen Kritiken und Recherchen auf die Feindeslisten des israelischen Militärs und der Terrorgruppe Daesch (IS).

    “Ich schreibe für das große, inklusive Wir, zu dem jede und jeder gehören kann. Und ja, ich schreibe auch mindestens genauso leidenschaftlich gegen all jene, die dieses Wir angreifen.”

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Tags: IslamMondRamadan
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