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Home Palästina

Verschleppter Palästinensischer Journalist: “Ich wurde vergewaltigt”

Von Tarek Baé
17.12.2025
in Palästina
Der palästinensische Journalist Sami Al-Saai berichtet gegenüber Middle East Eye über Folter und sexueller Gewalt in israelischer Gefangenschaft.

Der palästinensische Journalist Sami Al-Saai berichtet gegenüber Middle East Eye über Folter und sexueller Gewalt in israelischer Gefangenschaft.

Zeugenbericht des aus dem illegal besetzten Westjordanland verschleppten palästinensischen Journalisten Sami Al-Saai über Folter und sexuelle Gewalt in israelischer Gefangenshaft.

Warnung: Es folgen äußerst grafische Zeugenaussagen über sexuelle Gewalt und Folter.

Der palästinensische Journalist Sami Al-Saai wurde laut dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) am 23. Februar 2024 im illegal von Israel besetzten palästinensischen Westjordanland von israelischen Truppen verschleppt. Ohne Vorwurf, Anklage oder Verurteilung wurde er in Administrativhaft genommen. Dabei wurde er in die Folterlager Megiddo und Ramon gebracht.

Am 10. Juni 2025 wurde er freigelassen. Gegenüber dem Medium Middle East Eye (MEE) beschreibt Sami Al-Saai nun erstmals die sexuelle Gewalt und die Folter in israelischer Gefangenschaft. Itidal veröffentlicht seine Aussage auf Deutsch.

Aktuell werden laut CPJ 30 palästinensische Journalisten von Israel gefangen gehalten.

Sami Al-Saai berichtet:

„Ich wurde nach 19 Tagen in das Megiddo Gefängnis verlegt. Und alles, was mir widerfahren ist, spielte sich am ersten Tag ab, an dem ich Megiddo betrat. Soweit ich es sagen kann, waren es vier bis sechs Personen. Sie öffneten die Tür und warfen mich auf den Boden. Als sie mich auf den Boden warfen, konnte ich aufgrund meiner verbundenen Augen nichts sehen. Sie zogen mir meine Hose und meine Shorts aus. Sie zogen sie komplett runter, weil meine Beine gefesselt waren. Sie schmetterten mich auf den Boden und sagten: Los, geh auf die Knie. Sie begannen damit, mich zu schlagen.”

„Sie schlugen mich sehr heftig. Sie schlugen mich über den ganzen Körper verteilt. Ohne rote Linien. Ich fühlte mich, als würde ich gleich sterben. Es war extrem schmerzhaft. Ich fragte mich, was folgt auf die Schläge; warum zogen sie mir meine Hose aus. Dann fühlte ich, wie man versuchte einen Gegenstand in mein Rektum einzuführen.”

„Sie versuchten einen Gegenstand einzuführen. Ohne nachzudenken, einfach als Mensch, versuchte ich, das irgendwie zu stoppen. Zu stoppen, dass der Gegenstand wirklich eindringt. Es tat sehr weh. Ich gab nach vor Schmerz. Ich konnte nicht anders, als aufzugeben. Ich fühlte, wie sie eine Flüssigkeit über mein Gesäß kippten. Ich weiß nicht, was es war. Sie führten etwas Hartes in mein Rektum ein. In einer außerordentlich schmerzhaften Weise. Sie bewegten den Gegenstand, kreisten ihn, um den Schmerz zu verstärken.”

„Was sollte ich tun? Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich schrie nicht. Aber mein Schmerz war hörbar. Dann ging jemand mit seiner Hand runter und griff zu meinem Hoden und drückte ihn in seiner Hand brutal. In diesem Moment habe ich so laut geschrien, dass mein Schrei vielleicht sogar außerhalb der Mauern des Gefängnis hörbar war.”

„Einer von ihnen begann an meinem Glied zu ziehen. Das war ein weiterer zusätzlicher Schmerz zu dem Ziehen an meinem Hoden. Währenddessen vergewaltigten sie mich weiter mit dem Gegenstand. Ich wünschte mir in diesem Moment einfach, zu sterben. Weil ich das schlichtweg nicht aushielt. Ich erreichte einen Punkt, an dem ich das nicht mehr ertragen konnte. Und ich konnte überhaupt nicht verstehen, was gerade geschah. Warum taten sie das? Sie lachten dabei.”

„Einer von ihnen sprach arabisch und sagte: ‚Du bist Journalist, wir werden alle Journalisten holen und sie f*cken. Wir werden deine Frau und deine Geschwister, deine Mutter und deinen Sohn holen.‘ Sie genossen es. Sie behandelten die Situation, als wäre es ihnen eine Freude. Ich habe es ertragen. Ich erinnerte mich an meine Kinder, ich erinnerte mich an meine Frau, ich erinnerte mich an meine Familie. Ich fragte mich, welches Schicksal mich erwartet. Werden Sie mich verlieren? Wer wird sich um meine Kinder kümmern?”

„Meine Erfahrung, als Sami, ist nur ein Tropfen im Ozean. Im Vergleich zu dem, was andere Gefangene ertragen mussten. Sie wurden weitaus Schlimmerem ausgesetzt. Insbesondere jene aus Gaza.”

„Auf diese Weise bin ich der psychischen Belastung entkommen, unter dem ich litt. Indem ich das, was mir angetan wurde, mit dem verglichen habe, was anderen angetan wurde. Nach dem Motto: Was ist das schon? Ich wurde nur mit einem Gegenstand vergewaltigt. Der andere wurde von einem Hund vergewaltigt. Sie ließen buchstäblich einen Hund Gefangene vergewaltigen. Ein anderer Gefangener wurde von einem Werter vergewaltigt. Die Wahrheit ist, wir sprechen hier über etwas unglaublich Hässliches und Grausames. Es ist nicht zu verstehen.”

Kontext

Auch andere unabhängige Recherchen und Leaks stützen das Bild einer barbarischen Gewaltpraxis in israelischen Folterlagern wie Sde Teiman: Israels Channel 12 sendete Überwachungsvideos, die eine Vergewaltigung eines Palästinensers; der britische Guardian veröffentlichte dazu Analysen und berichtete zudem über weitere Folter- und Sexualdelikte gegen palästinensische Ärztinnen und Ärzte in Gewahrsam. Die israelische Menschenrechtsgruppe B’Tselem beschreibt Israels Gefängnis- und Lagerregime seit 2024 als „Netzwerk von Foltercamps“, in dem physische wie psychische Qual systematisch eingesetzt werden. Sexuelle Gewalt sei ein wiederkehrendes Motiv. Die UN dokumentiert ebenfalls werden Verschleppung, Folter, sexualisierte Gewalt und Haftbedingungen, die die Würde der Betroffenen gezielt brechen sollen. Die UN fordert unabhängige Ermittlungen und uneingeschränkten Zugang für Einrichtungen.

Anlaufstellen im Umgang mit sexueller Gewalt

  • Muslimisches SeelsorgeTelefon (MuTeS) 030 443 509 821
  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 08000 116 016
  • Hilfetelefon Sexueller Missbrauch 0800 22 55 530
  • Tarek Baé

    Gründer und Chefredakteur von Itidal. Berliner Patriot. Tarek Baé ist Journalist und Bestseller-Autor aus Berlin. 2021 gründete er die freie Medienplattform Itidal, arabisch für Gleichgewicht. Benannt hat er das Medium nach seiner Großmutter Itidal, von der er sagt, sie hätte mit ihrer Standhaftigkeit und gleichzeitigem Sanftmut ein lebendiges Beispiel des Gleichgewichts symbolisiert.

    Er schaffte es mit seinen Kritiken und Recherchen auf die Feindeslisten des israelischen Militärs und der Terrorgruppe Daesch (IS).

    “Ich schreibe für das große, inklusive Wir, zu dem jede und jeder gehören kann. Und ja, ich schreibe auch mindestens genauso leidenschaftlich gegen all jene, die dieses Wir angreifen.”

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