Israel würde nicht gezielt Zivilisten töten, heißt es im deutschen Diskurs über Israel gerne. Beweise dafür, dass das nicht stimmt, gibt es viele. Ein weiterer ist NAZA. „NAZA“ ist ein 80-minütiger Dokumentarfilm von Yuval Abraham und Rachel Szor, den beiden Israelis hinter „No Other Land“, einem Oscar-prämierten Film, gemeinsam mit Palästinensern prodziert, darunter Basel Adra, der israelischen Siedlerterrorismus im illegal besetzten Westjordanland zeigt. Produziert wurde Naza unter anderem von der britischen Zeitung Guardian. In Venedig bekam er den Spezialpreis der Jury, seit Oktober läuft er in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die Regisseure haben drei Jahre lang 24 Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter interviewt, nachts auf Dächern in Tel Aviv, anonym und mit verfremdeter Stimme. Vieles davon hatten Abraham und der Guardian seit 2023 gemeinsam mit +972 und Local Call veröffentlicht. Im Film hört man nun die Beichten der Täter.
Der Titel ist ein Armeebegriff. „Nezek agavi“ heißt Kollateralschaden, NAZA ist die Zahl der Zivilisten, die bei einem Angriff laut israelischem Militär getötet werden dürfen. 20 galten laut Film als Routine, für ein einziges Ziel sollen es 500 gewesen sein.
Ziele wurden mit KI-Software markiert. Genannt wird die KI Lavender, das aus Handydaten Verdächtige filtert, mit einer Fehlerquote von etwa 15 Prozent und rund 20 Sekunden Prüfzeit pro Person. Ein zweites Programm, „Where’s Daddy“, zeigte an, wenn ein Ziel zu Hause war. Dann wurde das Haus bombardiert, meist nachts und mit der Familie darin. Einer der Befragten hörte das Telefon eines zwölfjährigen Mädchens ab, um zu erfahren, wann ihr Vater heimkommt. Beide wurden getötet.
Ein Geheimdienstoffizier sagt, er habe in Hunderten Fällen in Echtzeit gesehen, dass in den markierten Häusern Familien ihren Alltag lebten, und die Angriffe trotzdem freigegeben. Ein Soldat berichtet, Häuser getöteter Familien seien samt Fotoalben niedergebrannt worden: „Wir radieren Geschichte aus.“ Scharfschützen töteten an Verteilstellen für humanitäre Hilfe jeden, der die vorgegebene Route verließ. Auf die Frage, ob in Gaza ein Genozid stattfinde, antwortet einer der Befragten mit Ja.
Die israelische Regierung reagierte schon nach der Premiere. Netanyahu verurteilte den Film und warf den Machern vor, „Antisemitismus“ anzuheizen. Kulturminister Miki Zohar sprach von Verrat und drohte, den Regisseuren die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Netanyahu bekräftigte diese Drohung. Die Botschaft ist klar: Israelis sollen dichthalten. Wer es wagt, die Wahrheit hinter dem industrialisierten Massenmord zu zeigen, wird die denkbar härtesten Konsequenzen erfahren. Auch die israelische Opposition beteiligte sich an der Hetze gegen die Filmmacher. Sie werden als „Verräter“ bezeichnet.
Dabei führen zwei Israelis Regie, und zu Wort kommen ausschließlich Angehörige der israelischen Armee und Geheimdienste. Nach Angaben der Produzenten wurde der Film auch israelischen Verleihern und Kinos angeboten. Doch diese trauten sich nicht.
Der Guardian will „NAZA“ Ende November nach den Kinovorstellungen kostenlos online stellen.
Hier läuft „NAZA“: Kinos in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg
Itidal hat eine Liste der Kinos recherchiert, die den Film aktuell zeigen. Stand ist der 17. Oktober 2026. Deutsche Kinos stehen vorn, darauf folgen Kinos in Österreich, in der Schweiz sowie in Liechtenstein und Luxemburg. Welche Termine gerade laufen, steht auf der Seite des jeweiligen Kinos. Gespielt wird überwiegend in der Originalfassung mit Untertiteln.
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