Die palästinensische Journalistin Farah Abu Ayyash wurde Anfang August in Beit Ummar im illegal von israel besetzten Westjordanland von israelischen Truppen verschleppt. Sie ist in israelischer Geiselhaft seitdem systematischer Folter ausgesetzt, legt nun ihr Anwalt offen.
Farah Abu Ayyash ist eine von 49 palästinensischen Journalistinnen und Journalisten, die von Israel verschleppt wurden. Wie die meisten hat Farah Abu Ayyash kein Verbrechen begangen. Sie ist nicht verurteilt, nicht angeklagt und ihr wird nichts vorgeworfen. Sie ist eine Geisel des israelischen Besatzungssystems.
Die 24-jährige Journalistin schaffte es, ihrem Anwalt Hassan Abadi einen Brief zukommen zu lassen. Darin schildert sie:
„Ich habe so viele schreckliche Dinge erlebt. Sie haben mich mitten in der Nacht mit Dutzenden von Soldaten, zwei weiblichen Rekruten und zahlreichen Jeeps und Polizeifahrzeugen festgenommen. Ich hätte nie gedacht, dass ich ins Visier geraten würde. Sie brachten mich nach Karmeh Tzur, fesselten mich draußen an einen Stuhl, neben einem Rohr, aus dem schmutziges Wasser auf mich tropfte.“
Sie beschreibt die Einschüchterung weiter: „Die Soldatinnen zogen die weißen Plastikfesseln an meinen Handgelenken so fest an, dass meine Arterie anschwoll. Irgendwann schnitt ein Offizier sie mit einer Zange durch. Hunde rissen an meiner Hose. Dann steckten sie mich in Einzelhaft – in einen Raum voller Elektrokästen. Sie taten so, als wüssten sie nicht, dass ich Journalistin bin. Sie zwangen mich, mein Handy zu entsperren … Ich arbeite vollkommen transparent.“
Kopf gegen die Wand
Daraufhin sei sie in den berüchtigten Russischen Compound verlegt worden. Ein Foltercamp, in dem laut der israelischen Menschenrechtsorganisation BTselem und laut PCHR sexuelle Gewalt und Folter systematisch eingesetzt werden: „Es war wie in einem Horrorfilm. Sie schoben mich mit Handschellen, Fußfesseln und einer schweren Kette um meine Schultern hinein. Justizbeamte schlugen mich. Eine Soldatin packte mich an den Haaren, schlug meinen Kopf gegen die Wand und befahl mir, die israelische Flagge zu küssen. Ich weigerte mich. Sie trat mich. Mir wurde übel.“
„In Ramla sperrten sie mich in einen verlassenen Raum und schalteten das Licht aus. Ich schrie. Dann steckten sie mich in eine unterirdische Zelle, die von Kakerlaken, Insekten und Wanzen befallen war. Ich habe die ganze Nacht geweint. Kakerlaken bedeckten mein Gesicht und meinen Körper. Die Spuren sind immer noch da.“
Sie erklärt, dass sie später zurück zum Russian Compound gebracht wurde, mehrmals vor Kälte ohnmächtig wurde und dass die Transportbedingungen „extrem hart und beängstigend“ waren. Nach 55 Tagen wurde sie in das Damon-Foltercamp verlegt.

Farah Abu Ayyash drückt ihre Enttäuschung über ihre Kollegen: „Ich bin verletzt von meinen Journalistenkollegen. Sie haben keinen Druck ausgeübt und sich nicht für meine Freilassung eingesetzt. Ich wurde wegen meiner Arbeit verhaftet. Ich hoffe, dass alle freien Journalisten mich hören.“
Farah richtet auch Worte an ihre Familie, insbesondere an ihre Mutter: „Ich vermisse euch so sehr … Ich erzähle den Mädchen von den Ma’amoul, die du backst. Meine schönsten Erinnerungen sind die Gedichte, die du für mich geschrieben hast, und wie ich sie im Radio vorgetragen habe.“
In keinem einzigen deutschen Medium* wird ihr Name von Kolleginnen oder Kollegen auch nur erwähnt. Von Solidarität ganz zu schweigen.
*außer Itidal