Bilder, die gut zusammenfassen, was sich viele Syrer von einem neuen freien Syrien erhofft haben und weiterhin erhoffen. Vertraute Vielfalt und Sicherheit.
Die große Freude über das Ende der Assad-Diktatur wurde von Sorgen über die Zukunft begleitet. Einiges schien absehbar: Das israelische Regime nutzte die Gunst und überfiel in der Grenzregion einen strategisch wichtigen Berg und eine kleine Anzahl syrischer Dörfer. Zu den größten Ängsten aber gehörte, dass extremistische Gruppen (ex Al-Kaida) unter den Rebellen Minderheiten, Frauen oder überhaupt Freiheit unterdrücken. Diese Ängste bewahrheiteten sich glücklicherweise bislang nicht. Im Gegenteil. Es wurden Verordnungen herausgegeben, wonach niemand Frauen auf ihre Bekleidung ansprechen dürfte. Und Stätten religiöser Minderheiten erhielten besonderen Schutz.
Coole Bilder und anfängliche Erleichterung sollten aber nicht über berechtigte Sorgen hinwegtäuschen. Syrien ist ein vielfältiges Land. Konfessionell stellen sunnitische Muslime (74 %) die klare Mehrheit, ethnisch stellen Araber (80 %) die klare Mehrheit. Es gibt ethnische Minderheiten wie Kurden (10 %), Turkmenen (4 %), Assyrer (3 %), Tscherkessen (1 %) oder Armenier (1 %) und religiöse Minderheiten wie Christen (6 %), Alawiten (11 %), Schiiten (4 %) und Druzen (3 %), sowie kleinen Gruppen wie Eziden und Aleviten.
Nur ein Syrien, in dem all diese Syrerinnen und Syrer die gleichen Rechte und Freiheiten haben, kann eine Lösung sein. In der Vergangenheit war das nicht so. Die Assad-Diktatur errichtete eine Hierarchie. Die Assads zentrierten die Macht auf Alawiten und Schiiten. Auch andere konnten Teil der Elite sein, wenn sie Assad huldigten. Die Mehrheit der arabischen Sunniten wurde stigmatisiert. Kurden erhielten selten Papiere und durften ihre Sprache und Identität kaum offen zeigen. Christen, Kurden und Turkmenen wurden beim Vormarsch der Daesch-Terroristen im Stich gelassen. Insofern waren die Sorgen vor Rache, Übergriffen und Misstrauen groß. Und auch wenn es nur vereinzelte Vorfälle gab und das Land nun überall Einheit und Einigkeit aufbeschwört, muss natürlich weiterhin kritisch verfolgt werden, ob die Hoffnungen sich wirklich bewahrheiten.






