Israels Luftwaffe vergiftet gezielt Böden im Süden des Libanon und im Süden Syriens. Die israelische Luftwaffe sprüht aus der Luft Giftstoffe über landwirtschaftliche Flächen ab und greift damit gezielt Lebensgrundlagen an. Libanons Außenministerium spricht von „toxischen Substanzen“ und reichte Beschwerde beim UN Sicherheitsrat ein. Umweltministerin Tamara El Zein und Landwirtschaftsminister Nizar Hani nennen das Vorgehen einen „kriminellen Angriff“.
Laut Al Jazeera und The Guardian ergaben erste Laboranalysen, dass es sich um Glyphosat handelt und dass die Konzentrationen „20 bis 30 Mal“ über üblichen Werten lagen. Ein Mittel, das die WHO IARC 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ einstufte.
Libanons Präsident Joseph Aoun bezeichnet die Angriffe als „Verbrechen gegen die Umwelt“. Die UN-Beobachter UNIFIL im Libanon warnen, das Versprühen könne Rückkehr und landwirtschaftliche Arbeit entlang der Blauen Linie blockieren und damit Stabilität untergraben.
Auch für Syrien berichten NGOs über grenzüberschreitende Einsätze im Februar, unter anderem in landwirtschaftlichen Gebieten, die ohnehin von israelischer Vertreibung gezeichnet sind. Euro Med Monitor spricht von „chemischen Substanzen“ und ordnet das als Kriegsverbrechen ein, weil Ziele angegriffen werden, die für das Überleben der Zivilbevölkerung unverzichtbar sind. In Syrien seien 80.000 Quadratmeter an Weizenfeldern zerstört worden und Gras, Wildpflanzen und Weideflächen seien komplett zerstört worden, erklärt Jamal Ali, Direktor der Landwirtschaft in Quneitra im Süden Syriens.
Der UN-Menschenrechtssprecher Thameen Al Kheetan zeigt sich „zutiefst besorgt“ und betont, Angriffe auf Ackerland und Nahrungssysteme seien im humanitären Völkerrecht hochproblematisch, insbesondere wenn Zivilisten getroffen werden.
Die Vorwürfe stehen im Kontext einer bereits belegten Praxis. Recherchen von Gisha und Forensic Architecture zeigen, dass Israel zwischen 2014 und 2018 rund 30 Giftstoff-Sprühangriffe entlang des Gaza-Grenzzauns ausführte. Die Untersuchungen dokumentierten Schäden an Ernten und Böden im Gazastreifen. Auch OCHA berichtete über entsprechende Angriffe auf palästinensische Landwirte.