Ich habe mit drei Betroffenen aus dem Raum Karlsruhe (Baden-Württemberg) gesprochen, die das Hassticket von der AfD bekommen haben.
Eine der Bedrohten ist Salma, eine 32-jährige Ärztin. Sie ist deutsche Staatsbürgerin, in der Nähe von Karlsruhe geboren. „Um ehrlich zu sein, man fragt sich da schon, ob das noch ein sicheres Land für Muslime ist.“ Sie arbeitet in einem staatlichen Klinikum und erhielt Solidarität von ihren Kollegen. „Von denjenigen ohne Migrationshintergrund hat dort niemand diese Zettel erhalten“, so die Ärztin.
Auch Betül hat Sorge wegen der angeblichen Tickets. „Was habe ich denn getan“, fragt sie sich. Betül studiert auf Lehramt und hat die türkische Staatsbürgerschaft abgegeben, um die deutsche zu erhalten. Wegen der politischen Lage würde sie nun aber „lieber drei mal überlegen“, ob sie sich um eine doppelte Staatsbürgerschaft bemüht.
„Ich bin vor Daesh („IS“) nach Deutschland geflüchtet. Die AfD ist wie sie. Sogar noch schlimmer, weil sie dich täuschen“, sagt Kaniwar, ein Anlagenmechaniker, der aus der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak stammt. Er hatte gleich drei Flyer in seinem Briefkasten. „Ich weiß nicht, ob sie wissen, dass wir zu dritt sind, aber ich habe Sorge um meine Frau und meine Tochter bei dieser Stimmung.“ Er ist Deutschland dankbar für sein Asyl. Scherzend fragt er, was er den irakischen Behörden sagen soll, wenn er abgeschoben wird. „Weil ich Muslim bin?“
Wir haben die Namen im Einvernehmen mit den Betroffenen geändert, damit die AfD keine Rückschlüsse auf die Wohnorte ziehen kann.
Die AfD hat die Echtheit bestätigt und die Tickets auf offiziellen Kanälen weiterverbreitet. Die Tickets wurden außerdem ebenfalls auf dem Bundesparteitag der AfD ausgelegt. Die Behörden ermitteln wegen Volksverhetzung.






