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Ein Akt des Völkermords Das Massaker von Sabra und Schatila: Schwangere mit aufgeschnittenen Bäuchen

Tarek Baé Von Tarek Baé
17.09.2026
in Hintergründe, Geschichte, Leitartikel
6 Min. Lesezeit
Israel und die extremistische Phalange-Miliz im Libanon ermordeten 1982 in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila über 2.000 palästinensische Zivilisten.

Israel und die extremistische Phalange-Miliz im Libanon ermordeten 1982 in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila über 2.000 palästinensische Zivilisten.

Nach dem 7. Oktober setzte der israelische Staat die Propagandalüge in die Welt, israelischen Frauen seien Säuglinge aus dem Bauch geschnitten worden. Dass die Behauptung später widerlegt wurde, änderte nichts am Genozid in Gaza. Die Idee selbst aber ist nicht frei erfunden. Denn diese Praxis kannte man in Israel. Als Täterseite. Dafür muss man nur nach Sabra und Schatila schauen, einem israelisch-libanesischen Massaker an palästinensischen Zivilisten im Jahr 1982, von der UN „ein Akt des Völkermords“ genannt.

Das Massaker an palästinensischen Flüchtlingen in Sabra und Schatila ist eine Erinnerung daran, wie lange der Genozid schon andauert. Vom 16. bis 18. September 1982 ermordete im Libanon die extremistisch-christliche Miliz Phalange in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila am Rand von Beirut über drei Tage lang wehrlose Zivilisten. Die Täter: Verbündet, ausgerüstet und unterstützt von Israel. Die Phalange Miliz war der militärische Zweig der Kataib-Partei im Libanon, die 1936 nach dem Vorbild der NSDAP geformt wurde. Ein Sammelbecken für extremistische maronitisch-christliche Libanesen. Während des Bürgerkriegs im Libanon ab 1975 beging die Miliz zahlreiche Massaker an palästinensischen und libanesischen Zivilisten. Israels Regierung schickte dafür Waffen und Geld, auch die USA beteiligten sich.

Das Massaker von Sabra und Schatila: Schwangere mit aufgeschnittenen Bäuchen

Israel war im Juni 1982 im Libanon einmarschiert. Nach der Ermordung des libanesischen Präsidenten Bashir Gemayel besetzten israelische Truppen den Westen der libanesischen Hauptstadt Beirut und riegelten die palästinensischen Flüchtlingslager ab. Palästinenser lebten dort, nachdem sie 1948 aus ihrer Heimat Palästina bei der Staatsgründung Israels vertrieben wurden. Die Abriegelung der Lager war rigoros. Niemand durfte raus, keine Hilfe durfte rein. Als die Phalange-Miliz unter Elie Hobeika am Abend des 16. September einrückte, wusste die Armee früh, dass gemordet wurde. Sie stoppte nichts. Stattdessen schoss sie nachts Leuchtraketen über die Lager, damit die Phalange in den Gassen jagen konnte.

Die Mörder rückten abends in das Lager ein. Unter Aufsicht der israelischen Armee. Sie gingen von Haus zu Haus. Munir, damals 13 und einziger Überlebender seiner Familie, schilderte in der Zeugensammlung der Journalistin Leila Shahid, wie seine Familie im Keller Schutz suchte: „Dann kamen die bewaffneten Männer und zwangen uns hinaus.“ Es folgte ein Massaker.
Ein Augenzeuge, zitiert im Magazin Crescent International, sagte: „Ich sah Leichen, Berge von Leichen, aufgehäuft, verstümmelt.“

Umm Abbas, damals in Sabra, schilderte gegenüber AFP, sie habe zwei schwangere Frauen gesehen, denen die Täter Säuglinge aus dem Bauch herausrissen. Das ungeborene Kind sei zudem “in zwei geschnitten” gewesen.

Eine palästinensische Überlebende erzählte Al Jazeera von einer Frau auf der Straße: „Ich sah eine Frau, ihre Eingeweide quollen heraus, sie starb mit ihrem Baby im Arm.“ Der US-amerikanische Journalist Robert Fisk, der wenige Stunden nach dem Ende in Schatila stand, beschrieb Frauen mit bis zur Hüfte hochgerissenen Röcken und gespreizten Beinen, Kinder mit durchschnittener Kehle, Reihen junger Männer, die von hinten an Hinrichtungsmauern erschossen worden waren.

Das Massaker von Sabra und Schatila: Schwangere mit aufgeschnittenen Bäuchen

In einem UN-Dokument, das von Jordanien vorgelegt wurde, werden die zwei Augenzeugen, die Journalisten Ralph Schoenman und Mya Shone zitiert: „Der Großteil des Abschlachtens und Verstümmelns geschah mit Äxten und Messern.“ Das Protokoll hält fest, dass die Blutlachen belegten, dass Folter und Verstümmelung dem Tod vieler Opfer vorausgingen.

Israel beaufsichtigte das Morden. Ein israelischer Augenzeuge berichtet, wie ein Phalange-Milizionär per Funk fragte, was mit den Frauen und Kindern geschehen solle. Die Antwort des Phalange-Anführers Hobeika, von einem israelischen Offizier mitgehört: „Das ist das letzte Mal, dass du mich so etwas fragst. Du weißt genau, was zu tun ist.“ Der israelische Leutnant Avi Grabowsky sagte später aus, er habe die Ermordung von Frauen und Kindern beobachtet. Israel nutzte die Phalange, um Palästinenser zu töten und zu vertreiben.

Der Palästinensische Rote Halbmond zählte über 2.000 Getötete. Der israelische Journalist Amnon Kapeliouk kam auf 3.000 bis 3.500.

Das Massaker von Sabra und Schatila: Schwangere mit aufgeschnittenen Bäuchen

Israels Regierung nannte die Kritik zunächst eine „Ritualmordlegende gegen den jüdischen Staat“. Dieselbe Reaktion wie nach der Feststellung, dass Israel ab 2023 einen Genozid in Gaza begeht. Doch der spätere Bericht der Kahan-Kommission vom 8. Februar 1983 verortete die direkte Verantwortung bei der Phalange-Miliz, die indirekte Verantwortung jedoch ebenso bei Israel. Israels dam,aliger Verteidigungsminister Ariel Sharon trage „persönliche Verantwortung“ dafür. Mindestens durch aktives Wegsehen. Sharon trat zurück, blieb aber im Kabinett und wurde 2001 sogar Premierminister. Eine Belohnung für ein Massaker, von denen er einige folgen ließ.

Am 16. Dezember 1982 verabschiedete die UN-Generalversammlung die Resolution 37/123, in der das Massaker aufs Schärfste verurteilt wird. Auch wird das Massaker als „ein Akt des Völkermords“ eingeordnet. Die Bundesrepublik Deutschland stimmte nicht dafür, sondern enthielt sich.

Strafrechtlich wurde niemand belangt. 2001 reichten Überlebende in Belgien nach dem Weltrechtsprinzip Klage gegen Sharon ein. Unter US-Druck, bis hin zur Drohung, das NATO-Hauptquartier zu verlegen, höhlte Belgien sein Gesetz 2003 aus, das Verfahren wurde eingestellt. Elie Hobeika, der die Miliz vor Ort kommandiert und angekündigt hatte, über die israelische Rolle auszusagen, starb am 24. Januar 2002 in Beirut durch eine Autobombe, kurz bevor er hätte aussagen können. Bis heute stand für Sabra und Schatila niemand vor Gericht.

  • Tarek Baé

    Gründer und Chefredakteur von Itidal. Berliner Patriot. Tarek Baé ist Journalist und Bestseller-Autor aus Berlin. 2021 gründete er die freie Medienplattform Itidal, arabisch für Gleichgewicht. Benannt hat er das Medium nach seiner Großmutter Itidal, von der er sagt, sie hätte mit ihrer Standhaftigkeit und gleichzeitigem Sanftmut ein lebendiges Beispiel des Gleichgewichts symbolisiert.

    Er schaffte es mit seinen Kritiken und Recherchen auf die Feindeslisten des israelischen Militärs und der Terrorgruppe Daesch (IS).

    “Ich schreibe für das große, inklusive Wir, zu dem jede und jeder gehören kann. Und ja, ich schreibe auch mindestens genauso leidenschaftlich gegen all jene, die dieses Wir angreifen.”

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Themen: BeirutGenozidIsraelLibanonMigrationPalästinaPalästinenserSabraSabra und SchatilaSchatila

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